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Was wollen Wutbürger eigentlich im schönen Gütersloh stoppen? Foto: Archiv

Eine Alternative für Gütersloh?

9,5 Prozent für die AfD auch in Gütersloh! Ist es zu glauben? Wer hat die gewählt? Uns geht es doch ganz gut hier. Wozu benötigen wir denn eine populistische Alternative? „Das sind nicht nur die rechten Idioten, das sind auch ganz viele Wutbürger, die so gewählt haben“ will Jochen an der Weberei-Theke wissen.
Er erhält allgemeine Zustimmung aus der Runde der anwesenden Gäste. Aber was für Wutbürger? Worauf sind die wütend? Oder haben zu viele politische Diskussionen über die AfD diese Alternative, die gar keine sein darf, erst interessant gemacht? Seit Wochen wird von dieser Partei und den Entgleisungen ihrer sogenannten Spitzenpolitiker berichtet. In Tageszeitungen, in Comedy-Formaten in Talk-Shows. „Das macht sie doch erst spannend für abgehängte Bürger“, erklärt Horst. Genau diese Klientel wünscht sich doch etwas lautes Gepolter, um Beachtung und Gehör zu erlangen.Haben wir alle zusammen mit den Medien also Nichtwähler und enttäuschte Bürger in die Hände der AfD getrieben? In Teilen stimmt das sicher. Verbotenes ist spannend und verlockend. Daher sei es richtig, dass die AfD in vielen Einrichtungen unerwünscht sei. Man müsse sie einfach ignorieren.
Bleibt trotzdem die Frage, worüber sich fast 10 Prozent der Gütersloher so stark aufregen, dass sie zu AfD wählenden Wutbürgern werden. „Wundern muss man sich nicht“, eröffnet Thomas die Diskussion. „Mit dem Bus kommst du nach 20 Uhr nicht mehr ins Kino, auf den Schultoiletten fällt der Putz von den Wänden und Seife wird schon lange nicht mehr gekauft“. Da werde man doch zwangsläufig zum Wutbürger. Genauso wenn man die neue Hochglanzbroschüre zur nächsten Kulturentwicklungstagung der Stadtverwaltung sähe, wenn parallel Institutionen wir das Parkbad ihre Kosten nicht mehr bezahlen könnten. Wut.
„Außerdem wird der Gütersloher immer wütend, wenn es ihm zu laut ist“, berichtet Jürgen. Und das sei eigentlich immer der Fall. Beim Oktoberfest auf dem Marktplatz ist es die Blasmusik, die den Klassikfan stört. Beim Tanzfest die Betreiberin von Fast-Food-Läden, weil sie beim Umzug in die Innenstadt vergessen hat, dass dort keine ruhige Waldfriedhof-Atmosphäre herrscht, bei den beliebten Wapelbeats der Lehrer, der eine Minute nach der Sperrstunde das Ordnungsamt verständigt. Wut.
„Mich macht eher wütend, dass Gütersloher über solche Dinge wütend werden“, ereifert sich Günther. „Sollen Sie doch nach Rietberg ziehen, wenn sie langweilige Ruhe wollen – oder nach Bielefeld, wenn sie abends Bus fahren wollen“. Und überhaupt, solle sich das Ordnungsamt doch lieber mal um das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt kümmern statt die Verantwortung auf die Polizei abzuwälzen. Oder Wege finden, den Alkohol- und Drogenkonsum auf Spielplätzen zu unterbinden und nicht nur zahllose Schilder aufzuhängen, auf die keine Sanktionen folgen können. Das würde Gütersloh lebenswerter machen, nicht mehr Ruhe oder mehr Kontrollen von falsch aufgehängten Plakaten für Trödelmärkte oder Schulfeste. „Oh, das macht mich wütend“, schreit Günther fast. Wut!
Ob er jetzt auch aus Wut Herrn Hammelgarn wählen würde, will Jürgen von ihm wissen. „Nein, natürlich nicht. Der soll sich mal um sich selbst kümmern. Vom Träumen von seinen zu hohen künftigen Abgeordnetendiäten habe er ja sogar schon Halluzinationen bekommen und sähe vermummte Demonstranten vor seiner Haustür, weiß der Gast zu berichten. „Ich werde zwar wütend, aber kein Wutbürger“, verspricht Günter und bestellt sich noch eine Bloody Mary. Gütersloh schätze die Demokratie – und so ein Wahlergebnis werde es hier sicherlich nicht nochmal geben. ˜

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