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FH-Präsidentin Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk und FH-Dekan Professor Dr. Lothar Budde. Foto: Wolfgang Sauer

konzertiert agieren

Die Fachhochschule Bielefeld kann ihren Studienort Gütersloh in großem Umfang ausbauen. Zur Zukunft des neuen Standorts in Gütersloh äußerten sich im faktor3- Gespräch mit Chefredakteur Markus Corsmeyer FH-Präsidentin Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk und FH-Dekan Professor Dr. Lothar Budde.

Der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Dietmar Bell, sprach von einer „klaren Richtungsentscheidung“. Der Studienort Gütersloh werde eine enorm hohe Strahlkraft für die gesamte Region haben. Was können wir darunter verstehen?

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Es ist Chance und Bürde gleichermaßen. Das Konzept hat überzeugt, und es war für uns wichtig, dass im Konzept etwas formuliert wurde, das die gemeinsame Arbeit mit der Wirtschaft und innovative Ansätze in einer ganzheitlichen Idee formuliert. Wir bieten Studierenden schon beim praxisintegrierten Studium eine idealtypische Kombination von Arbeit in der Wirtschaft und im Studium. Sie sollen auf dem Campus die Chance bekommen, alles, was an modernen Technologien für die Wirtschaft treibend ist, kennenzulernen, um optimal ausgebildet zu werden. Ein Alleinstellungsmerkmal auch gegenüber anderen Fachbereichen der Fachhochschule Bielefeld ist die Internationalisierung in der dualen Ausbildung. Praxisintegrierte Studiengänge mit englischsprachigen Studiengängen sind eine Einladung an alle klugen Köpfe in der ganzen Welt, nach Gütersloh zu kommen, einen Arbeitsvertrag zu erhalten, hier zu studieren – und nach dreieinhalb Jahren für das weitere Leben gut gerüstet zu sein. Wir wissen, dass die englischsprachigen Studiengänge, die bereits in Deutschland angeboten werden, große Resonanz erfahren. Auch die interkulturelle Kompetenzentwicklung, die wir nicht nur bei den jungen Menschen, sondern auch bei uns in der Organisation brauchen, ist für die Einrichtung eine besondere Chance. 

Sie wünschen sich in Gütersloh einen Standort, der auch der Bedeutung des Konzeptes angemessen ist ...

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Für uns stellen sich in der Betrachtung aller Konzepte Vor- und Nachteile dar. Wir haben uns daher bislang noch nie zu einer Aussage für einen bestimmten Standort in Gütersloh hinreißen lassen. Es gibt noch ganz viele Ungewissheiten. Fest steht: Wir wollen hier etwas entwickeln, das genau das fortführt, was in der Vergangenheit auch bislang immer sehr erfolgreich war: das gemeinsame Arbeiten mit den Vertreterinnen und Vertretern vor Ort. Dass es zunehmend mehr Ideen für den Campus gibt, kommt bei uns natürlich an. Es gibt unterschiedliche Stimmen zum künftigen Standort in Gütersloh. Egal, welche Entscheidung wir treffen werden, wir müssen in Abwägung der finanziellen Ausgangsposition, der Bedarfe der jungen Menschen und der Kollegen, die wir gewinnen wollen, entscheiden. Wir brauchen hervorragende Leute, die gerne nach Gütersloh kommen und bereit sind, sich hier anzusiedeln. Man ist klug beraten, gerade die ersten Schritte gut zu überlegen – im Hinblick auf eine mögliche Erweiterung und einen Ausbau. Wir planen mit 1.200 Studierenden, aber grundsätzlich werden für eine Hochschule immer weitere Ansiedelungen gewünscht. Das sind zusätzliche Kapazitäten, die man braucht, um den forschenden Kolleginnen und Kollegen Raum zu bieten. Wir müssen in diesem Zusammenhang das „Gesamtpaket“ bedenken.

Bürgermeister Henning Schulz hat sich für den Standort Kasernen an der Verler Straße ausgesprochen. Wie weit sind Sie in den Gesprächen mit der Stadt?

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Wir sind ganz transparent in unserem Handeln. Wichtig ist, dass wir alle Optionen kennen und sie sachlich mit allen Vor- und Nachteilen gegenüberstellen. Wir sollten unter Berücksichtigung aller Aspekte auch diejenigen, die wir womöglich noch gar nicht kennen, abwägen.

Professor Dr. Lothar Budde: Es gibt verschiedene Optionen. Irgendwann müssen wir uns aber klar positionieren. Wenn die Entscheidung gefallen ist, sollten wir in der Lage sein, sehr schnell zu reagieren. Es gibt Vor- und Nachteile für alle Lösungen. Im Moment eruieren wir noch das gesamte Feld. 

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Wir haben tatsächlich noch nicht alle Optionen für den Standort in Gütersloh auf dem Tisch liegen. Wir sind an die Vertreter vor Ort herangetreten, um Ideen zu erhalten, welche Möglichkeiten für die FH in Gütersloh existieren. Wir machen das, was jeder Geschäftsmann tun würde: Wir sprechen mit den Kommunalvertretern, mit den Unternehmen vor Ort und sondieren auch deren Ideen. 

Professor Dr. Lothar Budde: Es gibt auch Investoren, die an uns herangetreten sind und uns entsprechende Optionen anbieten. Das müssen wir noch genau prüfen. 

Wäre es nicht eine einmalige Chance für die Stadt Gütersloh, wenn die FH in die Innenstadt käme?

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Das Thema bewegt viele – das stelle ich fest. Es macht jedoch Sinn, die Sammelphase aller Impressionen systematisch zu beginnen. Wir nehmen alles in Augenschein, was sich als Möglichkeit bietet. Das sind konkret die Kasernen, das Flöttmann-Areal, das Wellerdiek-Gelände. Die Anzahl der Flächen, die in Gütersloh-City jedoch zur Verfügung stehen, ist überschaubar. Je näher man an der Innenstadt ist, desto höher sind auch die Quadratmeterpreise. Das müssen wir bedenken. Hochschule muss auch wirtschaftlich denken. Wir sammeln zurzeit alle Optionen. Der große Druck, unter dem wir aktuell stehen: Wir müssen die Studiengänge akkreditiert auf den Weg bringen. Daher hat es höchste Priorität, alle Alternativen für den künftigen Standort in Gütersloh zu diskutieren, zumal wir denken, dass wir noch nicht alle Möglichkeiten und Interessenten identifiziert haben.

Professor Dr. Lothar Budde: Ich sage es überspitzt: Was nutzt uns das tollste Gebäude, wenn wir keine Lehre anbieten können, die qualitativ so ist, dass wir Abnehmer für die Industrie haben? Unser Fokus liegt zurzeit auf einem anderen Gebiet. Wir haben ein Zeitfenster, und wir werden dieses Zeitfenster optimal nutzen, um etwas Visionäres auf die Beine zu stellen

Der neue Standort ist zurzeit bei den Bürgern der Stadt Gütersloh ein großes Thema. Wie ist die Stimmung bei den potentiellen Studierenden, die sich für das Modell der FH interessieren?

Professor Dr. Lothar Budde: Es gibt viele, die das Gebäude und die Hochschule kennenlernen wollen – über Begegnungen oder Informationsveranstaltungen. Wir haben hier im Hause immer wieder Informationsveranstaltungen, in denen wir die neuen Studiengänge anbieten. Es gibt Veranstaltungen, die quasi überlaufen sind. Viele Firmen sind auf uns zugekommen. Es gibt großes Interesse bei den Unternehmen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Ich finde es ganz wichtig, in den kommenden Jahren die Gütersloher und die Unternehmen in der Region in den Flow mit uns gemeinsam einzubinden. Wir müssen uns alle mit diesem Projekt identifizieren. Es ist eine riesige Chance für Gütersloh.

Professor Dr. Lothar Budde: Die Fachhochschule Bielefeld steht nach wie vor hinter diesem Modell Gütersloh. Gemeinsam wollen wir etwas für die Region bewegen. Wir würden uns wünschen, dass wir als Hochschule immer erster Ansprechpartner für Gütersloh bleiben. Wir committen uns ganz klar für das Modell Gütersloh. 

Professorin Dr. Ingeborg Schramm-Wölk: Gütersloh ist als Standort für die Fachhochschule Bielefeld überhaupt in dieser Form erst durch das Ergebnis gemeinsamen Handelns ermöglicht worden. Das ist übrigens auch eine absolute Stärke der gesamten Region Ostwestfalen-Lippe. Wenn es darauf ankommt, kann man hier konzertiert hervorragend agieren. 


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