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KLARTEXT


Der Gütersloher meckert gerne mal. Beispiele gefällig? Man regt sich auf über die Zustände vor und hinter den Kulissen der Weberei. Immer noch über das neue Theater und sein nicht fertiges Umfeld. Die Skylobby bewegt zusätzlich die Gemüter wegen der nicht optimalen Planung. (Wer übernimmt hier eigentlich die Kosten für den Umbau?) Man meckert über den umstrittenen und 366.000 Euro teuren Agendapark am Stadtring Nordhorn, jetzt auch Grünanlage Schling­brede genannt. Über die von Amts wegen gesperrte, angeblich einsturzgefährdete Holzbrücke über die Dalke nahe der Weberei. (Wann wird die eigentlich endlich repariert und wieder freigegeben?) Andere regen sich über die Skater auf, die auf dem Berliner Platz und auf den neuen „Sitzbänken“ des Theatervorplatzes ihr vermeintliches Unwesen treiben. Die eifrigen Politessen und ihr Geld eintreibendes Handwerk treiben vielen die Zornesfalten ins Gesicht. Wieder andere möchten am liebs­ten Hundehaltern und den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner auf Grünflächen und Straßen die rote Karte zeigen. Schwimmer in der Welle bemängeln die späten morgendlichen Öffnungszeiten im Freibadteil. Selbst das Wapelbad steht in der Kritik. Hier regen sich vor allem die Älteren über das Musikgewummer auf. Empfindliche Nasen stört der penetrante Fischgeruch der noch nach Ende des Wochenmarktes über den Berliner Platz und durch angrenzende Straßen weht. Wieder andere könnten an die Decke gehen, wenn Reinigungsfahrzeuge mit ihrer Reinigungsmechanik frühmorgens lautstark durch die Innenstadt fahren. Der Zustand vieler Straßen ist nicht nur den Anliegern ein Dorn im Auge. Und beim Thema Unkraut an Straßen und Plätzen möchten viele am liebsten den Verantwortlichen im Grünflächenamt die Hammelbeine lang ziehen. Der Zustand der Toiletten an Gütersloher Schulen stinkt vor allem den Eltern und ihren Kindern. Der kommende oder nicht kommende Gastro-Pavillon auf dem Berliner Platz beschäftigt auch immer wieder die Gemüter. Die finanziellen Kürzungen für viele soziale Einrichtungen bringen nicht nur die Betroffenen in Rage. Die Stadtbibliothek beklagt wegen Kürzungen eine trostlose Zukunft. Naturfreunde stimmen ein Wehklagen an, wenn wieder ein alter Baum gefällt wird. Anlieger beklagen sich darüber, dass ihre Straße nicht ausgebaut wird –wenn aber eine Straße ausgebaut wird, ist das oft auch nicht richtig.
Der Busverkehr der Stadtwerke und die Linienführung stehen ebenfalls oft in der Kritik. Eltern klagen über Gewalt auf den Pausenhöfen mancher Gütersloher Schulen. Die Einzelhändler wollen kein großes Einkaufscenter – die meisten Bürger würden aber zu gerne in so einem einkaufen. Kunden meckern über unfreundliche Verkäufer/innen. Umgekehrt ist es aber genau so. Die Kaugummireste überall in der Innenstadt und besonders am ZOB sind auch immer wieder ein Meckerthema. Und dass Parkgebühren auf dem Marktplatz und an der Weberei zu berappen sind, stößt immer noch bitter auf. Viele möchten am liebsten das „Milieu“ an der Martin-Luther aufgelöst sehen. Eltern warten immer noch auf den lange angekündigten neuen Spielplatz im Innenstadtbereich. Viele fordern einen schönen Brunnen an einer attraktiven Stelle in der City. Der seit Jahren versprochene Ausbau der öffentlichen Toilette am Durchgang zwischen Spiekergasse und Berliner Platz schlägt den Güterslohern auf die sprichwörtliche Blase ... Ich könnte jetzt noch lange weiter schreiben, komme aber mal zum Schluss.

Die Frage ist: Meckert der Gütersloher auf hohem Niveau? Oder ist alles halb so schlimm? Läuft es in anderen Städten wirklich besser? Das muss jeder Einzelne, der sich hier aufregt, unaufgeregt herausfinden und nicht nur persönliche Interessen in den Vordergrund stellen. Wer dann immer noch unzufrieden ist und etwas verändern möchte, hat alleine kaum eine Chance. Er muss sich auf die Suche nach Gleichgesinnten begeben. Das hört sich in der Theorie leicht an, ist in der Praxis aber schwer zu realisieren. Die meisten Maulhelden haben nämlich auf einmal Muffensausen, sich in der Öffentlichkeit für eine berechtigte Sache oder Änderung einzusetzen und verschwinden kleinlaut in ihren Mauselöchern. Das ist leider die bittere Realität. Und die ist den Kommunalpolitikern und hohen Beamten im Rathaus schon lange bekannt. Deshalb haben Fehlentscheidungen kaum persönliche Konsequenzen zur Folge. Der Fairness halber sollte hier aber gesagt werden, dass auch nachvollziehbar richtige Entscheidungen im Rathaus getroffen werden. Es bleibt also die Wahl: Demonstrieren oder akzeptieren!

PS: Ich bewundere schon ein wenig das Demonstrationsverhalten in anderen zivilisierten Ländern. Dort gehen die Bürger wirklich auf die Barrikaden, wenn es um ihre Interessen geht. Nachahmenswert?!



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