
Der Wasserturm in der Friedrichstraße wird bisweilen als ein Wahrzeichen, wenn nicht das Wahrzeichen Güterslohs bezeichnet – was unserer Stadt nicht unbedingt zur Ehre gereicht, gelten Wassertürme doch eher als Wahrzeichenverlegenheitslösung. Wenn man alle malerischen Fachwerkhäuschen in den 70er Jahren abgerissen hat, dann bleibt einem halt nur noch ein Wasserturm. Umso mehr sind die Stadtwerke als Eigentümer des Turms dafür zu loben, dass sie das Industriedenkmal sorgsam restauriert haben und abends durch eine sehenswerte Lichtinstallation in Szene setzen.
Der Cholera sei Dank
Der 42 Meter hohe Turm ist ein Zeugnis der rasanten Stadtentwicklung Güterslohs Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Cholera-Epidemie veranlasste die preußische Regierung 1884, die Wasserversorgung unter die Lupe zu nehmen – mit erschreckenden Ergebnissen für Gütersloh. Die Gesundheitskommission gab zu Protokoll, dass es in der 5.000-Einwohner-Stadt nur zwei öffentliche Brunnen gab, die gesundheitlich unbedenkliches Wasser förderten. Die Mehrzahl der privaten Hausbrunnen brachte gelbliches, übel riechendes Wasser zu Tage. Schnell hatte man auch den Grund dafür ausfindig gemacht: Nicht selten lag nur wenige Meter entfernt eine Sickergrube zur Abwasserentsorgung …

Wussten Sie schon …
... dass es in Gütersloh noch einen zweiten Wasserturm gibt? Wenn nicht, sind Sie damit nicht alleine. Selbst vielen Güterslohern ist der 1917 von der Eisenbahnverwaltung
erbaute Wasserturm auf dem Miele-Werks-
gelände unbekannt.