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Die Mehrzahl der privaten Hausbrunnen brachte gelbliches und übelriechendes Wasser zu Tage.

Nie wieder gelbes Wasser!

Heute: der Wasserturm

Der Wasserturm in der Friedrichstraße wird bisweilen als ein Wahrzeichen, wenn nicht das Wahrzeichen Güterslohs bezeichnet – was unserer Stadt nicht unbedingt zur Ehre gereicht, gelten Wassertürme doch eher als Wahrzeichenverlegenheitslösung. Wenn man alle malerischen Fachwerkhäuschen in den 70er Jahren abgerissen hat, dann bleibt einem halt nur noch ein Wasserturm. Umso mehr sind die Stadtwerke als Eigentümer des Turms dafür zu loben, dass sie das Industriedenkmal sorgsam restauriert haben und abends durch eine sehenswerte Lichtinstallation in Szene setzen.

Der Cholera sei Dank
Der 42 Meter hohe Turm ist ein Zeugnis der rasanten Stadtentwicklung Güterslohs Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Cholera-Epidemie veranlasste die preußische Regierung 1884, die Wasserversorgung unter die Lupe zu nehmen – mit erschreckenden Ergebnissen für Gütersloh. Die Gesundheitskommission gab zu Protokoll, dass es in der 5.000-Einwohner-Stadt nur zwei öffentliche Brunnen gab, die gesundheitlich unbedenkliches Wasser förderten. Die Mehrzahl der privaten Hausbrunnen brachte gelbliches, übel riechendes Wasser zu Tage. Schnell hatte man auch den Grund dafür ausfindig gemacht: Nicht selten lag nur wenige Meter entfernt eine Sickergrube zur Abwasserentsorgung …  


Matthias Borner im Wasserturm.
1.600 Badewannen
Bis 1888 ließ die Stadt daher ein Wasserwerk sowie den Wasserturm errichten. Dessen Wasserbehälter fasst 310.000 Liter, das entspricht dem Inhalt von 1.600 Badewannen. Den ersten Plänen nach sollte der Wasserturm am Dreiecksplatz errichtet werden. Die Bürger sprachen sich aber gegen einen Standort mitten in der Stadt aus. Obwohl deshalb mehr Rohre verlegt werden mussten und sich die Baukosten erhöhten, wurde der Wasserturm also am Stadtrand errichtet. Die Mehrausgaben hätten sich die Gütersloher schenken können: Die Stadt wuchs so schnell, dass auch der neue Standort schon bald zur Innenstadt zählte.   Der Wasserturm war bis 1982 in Betrieb. Entgegen der in Gütersloh vorherrschenden Tradition wurde das funktionslos gewordene Bauwerk nicht abgerissen, sondern als Industriedenkmal erhalten. Es steht heute im Herzen des Kulturzentrums von Theater, Stadthalle und Dreiecksplatz und beheimatet seit 2009 die Initiative „Create.Music.OWL“, die sich der Förderung der regionalen Rock-Pop-Musik verschrieben hat. Zu Recht darf sich Gütersloh seitdem als das Liverpool Ostwestfalens bezeichnen ...

Wussten Sie schon …

... dass es in Gütersloh noch einen zweiten Wasserturm gibt? Wenn nicht, sind Sie damit nicht alleine. Selbst vielen Güterslohern ist der 1917 von der Eisenbahnverwaltung
erbaute Wasserturm auf dem Miele-Werks-
gelände unbekannt.



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