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Foto: Tobias Koch

„Man muss ja nicht immer über alles reden ...“

Für Angela Merkel und Horst Seehofer ging die Wahl des Vorsitzenden der Unionsfraktion im September gehörig daneben. Überraschend entschied sich die Fraktion gegen ihren bisherigen Vorsitzenden Volker Kauder und für den in der Bevölkerung noch relativ unbekannten Finanzexperten Ralph Brinkhaus, der seit September Fraktionsvorsitzender ist und dessen Wurzeln im Kreis Gütersloh liegen. Wie ist Brinkhaus im neuen Job angekommen? Was macht er anders als sein Vorgänger? GT-INFO-Chefredakteur Markus Corsmeyer unterhielt sich mit dem Mann aus dem Wahlkreis 131 über die Überraschungswahl, die neue Aufgabe in Berlin, seinen Führungsstil und über die neue Parteichefin der CDU.

Nach Ihrer Wahl zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion reden alle plötzlich über Ralph Brinkhaus und den Kreis Gütersloh. Was bedeutet das für Sie beziehungsweise für die Region?

Na ja – es gibt wichtigere Leute im Kreis als mich. Aber klar – viele Menschen haben sich mit mir sehr gefreut. Das ist sehr schön. Es ist aber auch eine Verpflichtung. Meine Arbeit wird in meiner neuen Aufgabe jetzt noch genauer verfolgt.

 

Wie waren die Reaktionen bei Ihren
politischen Weggefährten und Kontrahenten nach dem Überraschungserfolg?

Überraschenderweise haben sich fast alle gefreut. Bei meinen politischen Freunden war die Freude natürlich am größten. Viele haben mich ja lange auf meinem Weg begleitet. Und ganz ehrlich, ohne die Unterstützung der CDU in Gütersloh und im Kreis hätte ich das nicht geschafft. Dass mir aber auch die politischen Kontrahenten von einst und heute auf die Schulter geklopft haben, fand ich klasse. Denn ich war ja gerade am Anfang meiner Laufbahn nicht immer einfach – wenn ich da an die eine oder andere Auseinandersetzung hier im Rat denke… 

 

Viele politische Beobachter haben Ihren Wahlerfolg ausgeschlossen. Haben sie die Stimmung komplett unterschätzt?

Ostwestfalen werden gemeinhin unterschätzt. Das geht unserer Region häufig so. Aber, wenn wir etwas wollen, haben wir meistens auch einen Plan ...

 

Sie haben uns Weihnachtswünsche für das GT-INFO geschickt. Zitat: „Die wichtigste politische Aufgabe 2019 ist es, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu fördern.“ Wie sieht Ihr persönlicher Beitrag dazu aus?

Brücken bauen, niemanden ausgrenzen, auch den politischen Wettbewerber ernst nehmen und wertschätzen, solange er sich an die demokratischen Grundregeln hält. Das ist in Berlin recht anspruchsvoll. Dort sitzen im Bundestag Politiker aus allen Teilen des Landes, mit den verschiedensten
Biografien, aber unterschiedlichsten Überzeugungen. Aber auch dann ist eine Zusammenarbeit möglich und im Sinne der Demokratie auch nötig. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist ebenfalls eine Gruppe unterschiedlichster Charaktere. Uns eint natürlich schon von Grund auf viel mehr als uns trennt. Bei allen Debatten um Einzelfragen sind wir uns in den Zielen unserer Politik doch einig. Das christliche Menschen-
bild ist unsere gemeinsame Richtschnur. Daran orientieren wir uns. Neu nachdenken müssen wir auch über die Aussöhnung zwischen Wirtschaft und Umwelt. Das Thema haben wir als Union in den vergangenen Jahren vernachlässigt. 

 

Wie ist es um den Fortbestand der Bundesregierung bestellt? Hält die große Koalition? Und wie ist Ihr Verhältnis zu Andrea Nahles?

Das Verhältnis zu Frau Nahles ist sehr gut. Wir beide wissen, dass die Koalition gut arbeiten muss. Wir sind bis zum Jahr 2021 gewählt. Ich halte wenig davon, die Bürger so lange neu wählen zu lassen bis den Poli-
tikern das Ergebnis passt. 

 

Bei der Wahl zum Parteichef sind die Würfel gefallen. Wie beurteilen Sie die Wahl, und wie wird sich die Partei jetzt aufstellen?

Die Bundestagsfraktion wird mit Annegret Kramp-Karrenbauer oder AKK wie sie bei uns genannt wird, gut zusammenarbeiten. Die Bundeskanzlerin, AKK, Alexander Do-brindt von der CSU aber auch ich wissen, dass die Union nur dann 2019 und danach erfolgreich sein wird, wenn wir harmonieren. Nichts verübeln uns die Menschen so sehr, wie die Beschäftigung mit uns selbst und Streit. Zu Recht: Die Bürger wollen, dass wir uns um ihre Probleme kümmern. Und das wollen wir auch. Die Fraktion hat sich dem Slogan verschrieben: „Wir wollen das Leben der Bürger Stück für Stück besser machen.“ Daran arbeiten wir in jeder Sitzungswoche. 

 

Hat Ihr Favorit das Rennen gemacht?

Ob nun mein Favorit gewonnen hat oder nicht, ist nicht entscheidend. Wichtiger ist: Die Diskussion um den neuen Parteivorsitzenden hat der CDU neuen Schwung gegeben. Die Regionalkonferenzen waren sehr gut besucht, auf dem Parteitag aber auch hier im Kreis wurde sehr viel diskutiert. Diesen Schwung müssen wir auch in die nächste Zeit mitnehmen. Die CDU hat sich in den vergangenen Wochen ein Stück weit neu erfunden. Dieser Erneuerungsprozess muss weitergehen. 

 

Ist der neue Parteichef automatisch der zukünftige Kanzler?

Es gibt hier keinen Automatismus. Außerdem haben wir eine Bundeskanzlerin.

Wie stark ist Ihr politisches Engagement hier bei uns im Wahlkreis 131?

Ich bin weniger, aber so oft wie möglich im Kreis Gütersloh. Wenn ich vor Ort bin, ist der Tag mit Terminen vollgepackt. Natürlich bin ich zurzeit stark überregional gefordert. Aber ich weiß, wo ich herkomme und bin gerne zu Hause im „besten Kreis“ der Welt unterwegs. Und das ist im Übrigen auch ein guter Ausgleich zu Berlin.  

 

Stichwort Digitalisierung: Gütersloh ruft zum „digitalen Aufbruch“ auf. Wie sehen Sie die Region in diesem Bereich aufgestellt?

Ich finde es bemerkenswert, mit welchem Engagement Bürgermeister Henning Schulz die Stadt in das digitale Zeitalter führen will – unabhängig davon, dass er in der gleichen Partei ist wie ich ...  Viele Unternehmen im Kreis Gütersloh sind im Bereich Digitalisierung auf einem sehr guten Weg. Aber das ist natürlich auch nötig: Wer aufhört zu paddeln, geht unter! Dementsprechend müssen wir in allen Bereichen nach vorne schauen. Wir sind generell gut aufgestellt, dürfen uns im Kreis Gütersloh jedoch nicht ausruhen. Die Politik muss in diesem Zusammenhang immer zehn beziehungsweise 20 Jahre vorausdenken. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Gerade weil wir ein industriell geprägter Kreis sind, arbeiten auch viele Menschen in einfachen Helfertätigkeiten. Viele dieser Jobs werden in den nächsten Jahren wegfallen. Aber es wird neue Tätigkeiten und neue Berufe geben. Dafür müssen wir die Menschen fit machen. Sorgen mache ich mir über die vielen Werkvertragsarbeiter, die geringe Qualifikationen und mangelnde Sprachkenntnisse haben. Von ihnen wird eine große Anzahl auch langfristig im Kreis Gütersloh bleiben. Um diese Menschen müssen wir uns definitiv mehr kümmern. 

 

Wo werden Sie Weihnachten verbringen?

Heiligabend verbringen wir wie jedes Jahr bei meinen Eltern. Dann stehen viele Familienbesuche auf dem Programm. Ich werde zwischen den Jahren aber sehr viel im Kreis Gütersloh sein. Darauf freue ich mich sehr. Einfach mal joggen, Zeit mit der Familie und Freunden verbringen und nicht über Politik nachdenken. … und natürlich gut essen. 


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