RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum | Datenschutz

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.

FCG-Trainer Hannes Linßen im TV-Interview in der Sendung Hattrick.

„Wenn das Umfeld passt, kann der FCG auch mal an die 1. Liga denken“

In unserer großen Serie über den Aufstieg und Fall des FC Gütersloh beleuchtet GT- INFO die rasante sportliche Entwicklung des Fusionsvereins FC Gütersloh, der 1987 mit großen sportlichen Erwartungen startete, zu ungewöhnlichen Höhenflügen ansetzte und als FC Gütersloh 2000 im Fußball-Nirwana endete.


Die erfolgreiche Mannschaft in der Saison 1988/89.

Nach der Westfalen-Meisterschaft in der Saison 1983/84 erreichte die Mannschaft in der Aufstiegsrunde nur den vierten Platz. Nachdem sie in der darauffolgenden Saison nur denkbar knapp dem Abstieg entkam, folgten in den nächsten Jahren Mittelfeldplätze, eine Spitzenstellung in der Liga konnte dauerhaft nicht erobert werden. 1990 musste die Mannschaft sogar überraschend absteigen. Ausgerechnet ein Eigentor von Helmut Schröder am letzten Spieltag besiegelte das Aus: Nach zwölf Jahren stieg das Gründungsmitglied aus der Oberliga ab. Im Mai 1991 feierte der FC Gütersloh den sofortigen Wiederaufstieg. Der Club wurde von Jürgen Heddinghaus zur Meisterschaft geführt. Die Trainer wechselten häufig. Nach Heddinghaus kam Elmar Wieneke, dem später Ernst Middendorp folgte. Middendorp galt 1993 als Mann der Zukunft für die Gütersloher. „Der FC Gütersloh ist auf Ernst Middendorp angewiesen und darauf, dass sein Konzept aufgeht“, schrieb damals die Neue Westfälische (NW). „Diese neue Liga ist für einen Verein seiner Größenordnung maßgeschneidert. In der Oberliga wäre Grünblau nur noch viertklassig und damit, wenn die ostwestfälische Konkurrenz, wie zu erwarten ist, aufsteigt, aus dem Blickfeld verschwunden“, so die Tageszeitung weiter. Der große Hoffnungsträger Middendorp konnte die in ihn gesetzten Erwartungen allerdings nicht erfüllen. In der entscheidenden Saison 1993/94 verpasste er die Qualifikation für die neue Regionalliga West/Südwest. Dies gelang aber ein Jahr später. Im Jahr 1994 rückte der ehemalige Bundesligaprofi und FCG-Spieler Volker Graul als Manager und Trainer in den Vordergrund. In der Saison 1994/ 1995 ging der damalige Trainer Gerd Roggensack vorzeitig zum VfL Wolfburg, Volker Graul schaffte mit seinem Team die Meisterschaft und wurde sogar ein Jahr später Meister in der Regionalliga. Der neue starke Mann setzte sich immer mehr im Verein durch – Trainer Werner Moors wurde entlassen, als die avisierte Meisterschaft noch in Gefahr schien. Endlich: 1996 gelang der ersehnte Aufstieg in die 2. Liga. Knapp 5.000 Menschen feierten teilweise euphorisch den Aufstieg der Gütersloher in die 2. Bundesliga auf dem Berliner Platz. „Das ist ja eine Begeisterung, als ob wir deutscher Meister geworden wären“, bemerkte der Pole Woytek Choroba auf einer ausgelassenen Party im Gütersloher „Alex“. Fußball-Gütersloh im Freundentaumel, mittendrin Bürgermeisterin Maria Unger im Kreis der großen Gütersloher Fangemeinde


Trainer Jürgen Heddinghaus: Verbandsliga-Meister und Aufsteiger in die Oberliga.

„Das Klima ist anders geworden“

„Für Gütersloh ist die 2. Liga erstmal die richtige Liga. Man muss abwarten, was sich hier entwi­ckelt. Wenn das Umfeld passt, dann kann der FCG auch mal an die 1. Bundesliga denken“, philosophierte Graul in einem Interview in der Tageszeitung. Die drei turbulenten Jahre in der zweithöchsten deutschen Spielklasse waren auch vom charismatischen Trainer Hannes Linßen geprägt. Und in der Vereinsführung rumorte es aber kräftig. Zum Ende des Jahres 1996 konnte der Verein auf einem Nichtabstiegsplatz relativ sorgenfrei überwintern. Rund vier Wochen nach dem Rücktritt des 2. Vorsitzenden Peter Ohlendorf kündigten auch Schatzmeister Oliver Jabs und Hans Kochjohann, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, den Rücktritt von ihren Ämtern an. Was war passiert? „Als Grund für seinen Rücktritt nannte der 59-jährige Hans Kochjohann die ‚Querelen’ der letzten Monate. ‚Das Klima ist ganz anders geworden’, sagte der Steuerberater, der schon vor 20 Jahren Fußballobmann der DJK Gütersloh war und seitdem stets einer der wichtigs­ten Männer im Hintergrund der verschiedenen Vereinsführungen war, bis er im Mai zum Vorsitzenden des neugeschaffenen Aufsichtrates gewählt worden war“, schrieb die NW Ende des Jahres 1996. Das Konfliktpotential im Verein war groß, ständig geriet Kochjohann mit Trainer Hannes Linßen, Manager Volker Graul und Präsident Jürgen Krämer aneinander, unter anderem auch im Disput über die Verantwortlichkeit für fehlerhafte Angaben im Lizenzantrag. [Umbruch]


Partystimmung nach dem Oberliga-Aufstieg 1991.

Gemeinsame Verantwortung für die Zukunft des FC Gütersloh

Die sportlichen Ziele des jungen Zweitligisten waren klar umrissen: „Im ersten Jahr den Klassenerhalt schaffen, im zweiten etablieren und im dritten angreifen“, so die Verantwortlichen. Im Dezember 1997 setzte der Bertelsmann-Konzern ein Zeichen in der Öffentlichkeit. „Passend zu Weihnachten wurde dem FC Gütersloh eine zukunftsweisende Entscheidung beschert: Die Bertelsmann AG, drittgrößter Medienkonzern der Welt mit Stammsitz in Gütersloh, gab dem Fußball-Zweitligisten eine millionenschwere Sofortzusage und beabsichtigt ‚professionelles Sponsoring’ im Fall des Bundesligaaufstiegs“, meldete die Tageszeitung NW. Der damalige Unternehmenssprecher Manfred Harnischfeger identifizierte sich mit dem Erfolg des Vereins und wollte „ein Zeichen setzen“. In Zahlen sollte das bedeuten: Die Unterstützung des Vereins sollte von 250.000 auf 500.000 Mark verdoppelt werden, darüber hinaus stellte man dem Verein 1,5 Millionen Mark für den Kauf weiterer erstklassiger Spieler in Aussicht. Im Falle des Bundesliga-Auftstiegs hätte Bertelsmann als Sponsor zusätzlich einen Betrag von mindestens 1,5 Millionen Mark pro Saison gegeben. Der damalige Vorstandsvorsitzende Dr. Mark Wössner äußerte sich zum geplanten Engagement in der NW: „Das Engagement des Hauses Bertelsmann geschehe vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Verantwortung von Stadt Gütersloh, Miele, Bertelsmann und mittelständischer Industrie sowie Gewerbe und Handel für die Zukunft des FC Gütersloh und das überregionale Ansehen unserer Heimatstadt.“ Volker Graul fühlte sich geehrt und sah seine Arbeit durch das Bertelsmann-Statement bestätigt. Für die Personalplanungen hatten Graul und Trainer Linßen durch die Bertelsmann-Zusage entsprechenden Handlungsspielraum für das Projekt Bundesligaaufstieg. Die Euphorie in der Stadt war riesengroß, die Gütersloher träumten vom großen Fußball ...


Der ehemalige Präsident Dr. Jürgen Krämer.

Dunkle Wolken zogen auf

„Es wird immer wahrscheinlicher: Der FC Gütersloh schafft den Sprung in die Elite-Liga. Der Mini-Klub (900 Mitglieder) aus Ostwestfalen steht auf Aufstiegs-Platz drei. Im Heidewald (Holztribüne, 12.500 Plätze) gab’s erst eine Niederlage. Mit Angelo Vier stürmt hier der Top-Torjäger der 2. Liga“, porträtierte die BILD-Zeitung im April 1998. Gütersloh rückte immer mehr in den Fokus des bundesweiten Fußball-Interesses. Doch im Sommer wurde der FCG jäh aus seinen Bundesliga-Träumen gerissen. Im Spiel gegen den FC Energie Cottbus kehrten die Gütersloher Zweitliga-Spieler wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Zwei Minuten vor dem Abpfiff stand es fest – der Verein blieb in der 2. Liga. Kurz vor Schluss kassierte der FC Gütersloh ein Gegentor und musste mit einem 2:2-Unentschieden nach Ostwestfalen zurückkehren. Die Enttäuschung war groß. „Nun also geht der Blick voraus auf ein weiteres Zweitligajahr. Kein sehr hoffnungsvoller Blick. „Alle Mannschaften, die die Chance hatten aufzusteigen, haben im folgenden Jahr Probleme gekriegt. Wir müssen aufpassen, dass uns das nicht passiert“, warnt der Trainer“, veröffentlichte die Neue Westfälische nach der großen Enttäuschung. Dunkle Wolken zogen am Horizont des Vereins auf. Aus dem Fußballmärchen wurde nichts, mit dem verpassten Aufstieg endete die sportlich so erfolgreiche Ära Hannes Linßen. Der eigenwillige Trainer wurde ein Opfer seiner permanenten und konsequenten Kritik an der Finanz- und Führungspolitik des FC Gütersloh. „Wir haben versucht, uns zusammenzuraufen und die Sache durchzuziehen, aber es hat wohl keinen Sinn“, erklärte FCG-Präsident Dr. Jürgen Krämer die Trennung vom Trainer. „Unüberwundener Schmerzpunkt bei Linßen ist vor allem der Weiterverkauf seiner ‚Entdeckung’ Charles Akonnor im April, und das, obwohl er seinerzeit die ‚wirtschaftliche Notwendigkeit’ dieses 1,2 Millionen-Mark-Transfers akzepierte. Von einem Teil dieser Summe sowie aus dem 650.000 Mark schweren Transfer von Angelo Vier waren die finanziellen Rückforderugen von Manager Volker Graul beglichen worden“, so die Neue Westfälische zur Trennung vom Trainer. Krämer wies – mit Ausnahme des Falls Akonnor – die Kritik Linßens an der Transferpolitik des Vereins zurück. Der Trainer sei über alles unterrichtet und über entsprechende Freigabezusagen informiert worden.

In der nächsten Ausgabe: Das Ende des FCG. Alle Hoffnungen ruhen auf dem neuen Verein FC Gütersloh 2000.



Lesen Sie diesen Artikel im PDF

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.
Kommentare zu diesem Beitrag:
26.03.2010 - dan41
Hannes Linßer mit Sturmfrisur. Und Gütersloh schien völlig aus dem Häuschen. Was waren das für Zeiten im Heidewald!

26.03.2010 - John Doe
Ein gelungener zweiter Teil der Serie... bitte mehr davon ;)

29.03.2010 - Toni
Bitte das Mannschaftsfoto um die Namen ergänzen.

06.04.2010 - @ Toni Andreas Martin
... frag doch mal Herrn Kahmen!

13.04.2010 - rosla
1. Liga?
Wovon träumt ihr nachts?