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Baseball-Club Verl/Gütersloh Yaks

Udo Happ (59) schärft sicherheitshalber ein letztes Mal die Konzentration der jungen Dame am Schlagmal.  Die Ansage ist klar und unmissverständlich: „Bring den Mo nach Hause.“ Sekunden später dröhnen von der Tribüne aus acht bis zehn Kinderkehlen die vielstimmigen Anfeuerungsschreie: „Bring uns nach Hause". Dann wird es ernst.
Mos Mitspielerin federt in den Knien ab, schwingt den weichen Schaumstoffschläger, holt weit aus und donnert den weichen Ball anschließend im hohen Bogen Richtung seitliche Hallenwand. Während die gegnerische Mannschaft versucht, den Ball so schnell wie möglich zum Fänger am Hula-Hoop-Reifen zu werfen, rennt Mo mit Riesenschritten mit ausgebreiteten Armen von der letzten Base ins Ziel. Punkt für seine Mannschaft. Anschließend ist der nächste Schlagmann seiner Mannschaft an der Reihe. Im Hintergrund ballt der hauptamtliche Nachwuchsbaseballtrainer Dominik Aubrey Dunford (28) beide Fäuste. Die Klasse 3c der Grundschule Isselhorst scheint bereit für den großen Tag.

Um die Phalanx von König Fußball schon im Grundschulalter zu brechen sowie parallel ihre Sportart Baseball beim Nachwuchs bekannter zu machen, holt der Baseball-Club Verl/Gütersloh Yaks in diesem Jahr wahlweise zum großen Schlag oder zum großen Wurf aus. Noch vor den Sommerferien findet auf dem Yaks-Field am Schmiedestrang in Verl die „1. Baseball Meisterschaft der Grundschulen“ im Kreis Gütersloh statt. Vorbereitet werden die teilnehmenden Dritt- und Viertklässler darauf mit einer für Anfänger (wie Schulklassen) konzipierten Hallenversion des beliebten amerikanischen Schlagballspiels zwischen zwei Mannschaften. Nach den Einheiten des Schulbaseball-Unterrichts an der Kapellenschule in Avenwedde und der Grundschule Sürenheide schwangen auch die acht bis 11-jährigen Mädchen und Jungen der Grundschule in Isselhorst zum dritten und somit letzten Mal den extra weichen Schaumstoffschläger samt der dazu gehörigen weichen Bälle. Der von Udo Happ (59) von der „Nixdorf Sport und Jugendstiftung“ als Anleiter am Abschlag begleitete Dominik Aubrey Dunford: „Wir wollen primär die Lust am Baseball fördern. Handball und Fußball kennen fast alle Kinder. Vom im deutschen Fernsehen nur selten anzutreffenden Baseball haben viele noch nie in ihrem Leben etwas gehört oder gesehen". Optisch erinnert die Mannschaftssportart ein bisschen an eine Mischung aus „Horizontal-Hau-den-Lukas“, Brennball und Baseball. Im Mittelpunkt beim Baseball steht dabei das immer wiederkehrende, spielentscheidende Duell zwischen dem Schlagmann (Batter) des Angreifers und dem Werfer (Pitcher) der Feldmannschaft. Die Verteidiger bringen einen Ball ins Spiel, den die Angreifer mit einem Schläger treffen müssen. Wurde der Ball erfolgreich getroffen, können die Angreifer durch das Ablaufen von vier Laufmalen (Bases) Punkte erzielen. Die Verteidiger versuchen dies zu verhindern, indem sie den geschlagenen Ball vorher zum Laufmal werfen. Doch so weit sind sie beim Baseball-Grundschulunterricht noch lange nicht. Vielmehr geht es um eine ausgewogene Mischung aus Sport, Bewegung, Kommunikation untereinander, jede Menge Spaß sowie persönliche Erfolgserlebnisse auch für diejenigen Kinder, die in Mathe oder Deutsch vielleicht nicht immer in Topform sind.

Für den vom Zweitligisten Dortmund Wanderers vor einem Jahr nach Verl gewechselten Yaks-Nachwuchstrainer und Spieler in der 1. Mannschaft der Yaks liegen die Vorteile auf dem Baseball-Schläger: „Gleichberechtigung und Integration werden gefördert. Außerdem können Mädchen und Jungen zusammen spielen. Hier ist keiner im Vorteil.“ Selbst sprachliche Barrieren spielen keinerlei Rolle. „Notfalls verstehen sich die Kinder blind mit Händen und Füßen", umschreibt der erfahrene Turnierorganisator die primären Vorteile der schnellen, abwechslungsreichen Grundschul-Hallenversion. Zudem seien fast alle benötigten Utensilien für die Nachwuchs-Edition in der jeder Turnhalle vorhanden. Dominik Aubrey Dunford: „Wir brauchen nur drei Matten als Bases und einen Hula-Hoop-Reifen für den Fänger der abwehrenden Mannschaft. Dorthin muss der Ball zurück.“ Dazu kommt noch ein umgedrehter kleiner Turnkasten zum Deponieren des Schlägers nach dem Loslaufen. Schaumstoffschläger, Bälle sowie die Haltevorrichtung für die runden Kugeln werden mitgebracht. Dann kann es schon losgehen. Während sich im Original immer zwei Teams auf der Fläche bewegen, steht in der Abwandlung nur der Schlagmann der Offensive der abwehrenden Mannschaft gegenüber. Im Mittelpunkt der Lernversion ist die Haltevorrichtung, von der aus Schlagmann oder Schlagfrau einer Mannschaft den Ball mit einem gewaltigen Hieb ins Spiel bringen. Sobald der Ball unterwegs ist, muss das Spielfeld so schnell wie möglich umrundet werden. Die Abwehr versucht unterdessen, den Ball durch Fangen und Werfen zum Fänger am Reifen zu transportieren. Klappt dies, bevor der Läufer auf der sicheren Base ist, ist dieser Out. Ansonsten geht das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Angreifern (Schlagmann/Läufer) und Abwehr beim nächsten Teammitglied am Schlagmal in eine neue Runde. „Los jetzt, Girlspower. Und denkt dran - erst schlagen, dann laufen", schärft der ehemalige Paderborner Profi Udo Happ dem Nachwuchs vor dem Schwingen des Schlägers ein. Auch wenn nicht alle Schläge gleich beim ersten Mal gelingen, das taktische Verständnis manchmal noch fehlt oder mancher Läufer schlicht den richtigen Zeitpunkt zum „Run“ von einer Base zur nächsten schlicht verträumt, ist Klassenlehrerin Uschi Sürig über den Unterrichtsausfall durch das während der regulären Schulzeit stattfindende Zusatzangebot nicht weiter sauer: „Sport ist wichtig für die Kinder. Hier lernen sie gleichzeitig Fangen, Laufen, Werfen, gezielt Schlagen und Teamgeist.“ Dafür dürften „ausnahmsweise auch mal Sachkunde und Kunst ausfallen.“ Damit sich am Ende keiner grämt, verkündet Dominik Aubrey Dunford nach 90 Minuten den salomonischen Punktestand: „Mannschaft A 26 Punkte, Mannschaft B 26 Punkte, Mannschaft C 26 Punkte.“ Das Strahlen und das Lachen in den Augen der Mädchen und Jungen zeigt überdeutlich - beim Grundschul-Baseballunterricht gewinnen am Ende immer alle Kinder.

www.yaks.de

Jens Dünhölter, Fotograf und Journalist, stellt für das GT-INFO in dieser Serie Gütersloher Sportvereine vor.

Foto: Jens Dünhölter
Beim Baseball lernen die Kinder gleichzeitig Fangen, Laufen, Werfen,
gezielt Schlagen und Teamgeist.


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