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Stadtgespräch mit der neuen Führungsspitze der Kultur Räume Gütersloh

Es tut sich was in den Kultur Räumen Gütersloh: neue Außenfassade der Stadthalle, Vorbereitungen für das 10-jährige Jubiläum des Theaters im Jahr 2020  -  und der Wechsel in der Betriebsleitung, da Dezernent Andreas Kimpel die Leitung von Stadthalle und Theater abgeben wird. GT-INFO fragt daher aus aktuellem Anlass nach: Wie ticken die Kultur Räume eigentlich? Wie schlägt das kulturelle Herz der Stadt? Und was verbirgt sich überhaupt hinter diesem Begriff? Chefredakteur Markus Corsmeyer traf sich mit dem neuen (alten) Team, das Güterslohs Stadthalle und Theater in die Zukunft führen soll. Ein Exklusiv-Interview mit den entscheidenden Köpfen in der Spitze. Christian Schäfer und Ralph Fritzsche (Betriebsleitung) sowie Stefan Hübner (Veranstaltungsleitung) und Sabine Schoner (Marketing und Vertrieb) im Gespräch.

Interview: Markus Corsmeyer
Fotos: Jens Dünhölter

Andreas Kimpel wird die Leitung der Kultur Räume abgeben. Welche Rolle spielt er zukünftig?
Ralph Fritzsche: Herr Kimpel ist Dezernent und Beigeordneter und damit weiterhin auch für die Kultur Räume zuständig. Er wird aber nach der nächsten Ratsentscheidung Ende März aus dem operativen Geschäft, der Betriebsleitung der Kultur Räume, ausscheiden. Bislang sind Andreas Kimpel und ich seit 2008 in der Betriebsleitung. Eine  Tandemlösung hat sich bewährt, daher liegt es nahe, dass Christian Schäfer für Andreas Kimpel in die Betriebsleitung nachrücken wird. Herr Kimpel hat aber weiterhin sein Büro als Kulturdezernent in der Stadthalle und ist daher immer sehr nah dran an den Kultur Räumen.
Christian Schäfer: Andreas Kimpel wird sich neuen Aufgaben, wie der Volkshochschule und der Stadtbibliothek, zuwenden. Darüber hinaus hat er weitere Aufgaben im Deutschen Städtetag und im Kultursekretariat NRW übernommen. Er setzt sich verstärkt für die Belange von Bespieltheatern in Nordrhein-Westfalen ein. Dieses Engagement ist höchst wertvoll und zeitintensiv. Daher war es an der Zeit, die Strukturen in den Kultur Räumen zu verändern. Andreas Kimpel wollte bei der Neuordnung in der Betriebsleitung den künstlerischen Aspekt noch stärker berücksichtigen.

Zum neuen Duo in der Betriebsleitung. Wird der Künstler Schäfer jetzt Kaufmann? – Und der Kaufmann Fritzsche Künstler?
Ralph Fritzsche: Nein. Wir ergänzen uns und bilden einen natürlichen Spannungsbogen. Ich bin für die Finanzen zuständig, und Christian Schäfer will ein gutes Programm im Theater anbieten. Das ist ein positives Spannungsfeld. Er achtet stärker auf die künstlerische, ich auf die finanzielle und organisatorische Seite.
Christian Schäfer: Die Aufteilung der Programmansätze in Stadthalle und Theater bleiben. Ich übernehme nicht die künstlerische Leitung der Stadthalle. Für die Veranstaltungsleitung der Stadthalle ist weiterhin Stefan Hübner zuständig. Die Ansätze sind unterschiedlich – natürlich gibt es aber auch Synergien in den jeweiligen Veranstaltungsreihen. Das Programm in der Stadthalle basiert auf Anfragen von Agenturen und Ensembles, die sich in die Stadthalle einmieten. Das unterscheidet das Veranstaltungs-Portfolio vom vielfältigen kuratierten Programm des Theaters.
Ralph Fritzsche: Eine künstlerische Leitung der Stadthalle gibt es nicht. Wir haben primär ein Vermietgeschäft. 95 Prozent sind Vermietveranstaltungen.

Was bedeutet der Begriff „Kultur Räume“ eigentlich? Ich glaube, dass die meisten Gütersloher nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt.
Sabine Schoner: Wir schreiben die Kultur Räume ganz bewusst auseinander, weil wir einerseits für das kulturelle Angebot stehen, andererseits für Räume, die genau das vorhin erwähnte Vermietgeschäft betreffen. Wir haben die breit gefächerte kulturelle Ebene mit dem Theater- und Stadthallenprogramm, aber auch zwölf Räume, die  für Kongresse, Tagungen, Messen, Firmen- sowie Privatfeiern zur Verfügung stehen. Wir versuchen klar zu kommunizieren, dass hier beides stattfinden kann. Das werden wir jetzt auch durch eine neue Kampagne nach außen tragen.
Ralph Fritsche: Wir machen Kultur für Gütersloh und die Umgebung und haben jede Menge Räume, die wir gerne vermieten. Da denken wir in beiden Häusern gleich, um immer die passenden Räume für die entsprechenden Kunden zu finden.
Christian Schäfer: Der Begriff ist doppeldeutig: Wir bieten natürlich auch Raum für Kultur ... Wir sind ein kulturelles Zentrum im Herzen von Gütersloh.

Warum starten Sie eine neue Kampagne?
Sabine Schoner: Die Kultur Räume stehen in der öffentlichen Wahrnehmung insbesondere für kulturelle Veranstaltungen. Das Kulturangebot ist bekannt, und das Theater Gütersloh hat bereits einen sehr guten Namen, auch über die Region hinaus. Wir wollen das Vermietgeschäft – die Räume – jetzt stärker in den Fokus rücken. Dadurch können wir noch mehr Mittel generieren. Kultur ist ein bezuschusstes Geschäft, durch das Vermietgeschäft wird die Bezuschussung minimiert. Aus diesem Grund bin ich 2015 zu den Kultur Räumen gekommen, um aktiv auf die Kunden zuzugehen und dadurch beide Häuser noch intensiver zu vermarkten
Ralph Fritzsche: Der Markt hat sich für die Stadthalle verändert. Das Theater, das wir von Beginn an als offenes Haus verkauft haben, ist dazu gekommen. Als die Stadthalle 1978 entstanden ist, gab es in der Umgebung wenig Konkurrenz. Wir müssen aufgrund der aktuellen Situation jetzt noch stärker an den Markt herantreten, um unsere Räume zu vermarkten.
Stefan Hübner: Die Stadthalle stellte vor Jahren ein Alleinstellungsmerkmal in der Stadt und im Kreis Gütersloh dar. Es gab eine Stadthalle – und sonst nichts in der Region. Wenn jemand etwas machen wollte, ist die Stadthalle Gütersloh automatisch ins Gespräch gekommen. Diese Situation hat sich geändert. Wir müssen uns weiter im Bewusstsein der Menschen verankern. Ausruhen ist nicht ...

Die Stadthalle steht in Konkurrenz zu anderen Hallen. Müssen Sie nicht neue Veranstaltungen, wie Kongresse, aktiv akquirieren, um sich erfolgreich am Markt zu behaupten?
Sabine Schoner: Das ist meine eigentliche Aufgabe. Es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, dass die Stadthalle beziehungsweise die Kultur Räume ausgebucht sind. Da wir so viele Mitbewerber haben, müssen wir natürlich aktiv sein. Neben der normalen Telefonakquise bin ich häufig auf Netzwerkveranstaltungen unterwegs.

Wie ist die Auslastung in den Kultur Räumen?
Christian Schäfer: Im Theater Gütersloh haben wir eine sehr gute Belegungsanzahl. Wir geraten an unsere Kapazitätsgrenzen. Auch in der Stadthalle können wir – wie in den vergangenen Jahren – auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken.
Stefan Hübner: In der Stadthalle ist die Auslastung mit einer Quote von 75 Prozent der vermietbaren Tage sehr gut.
Ralph Fritzsche: Wir hatten im vergangenen Jahr in beiden Häusern im Schnitt zwei Veranstaltungen pro Tag: von der kleinen Konferenzraumvermietung über die Schultheatertage bis hin zum großen Event. Wir haben die Stadthalle in den Jahren 2013 bis 2016 von innen aufwendig saniert. In diesem Zeitraum hatten wir natürlich etwas schlechtere Auslastungen, da wir die Räume, die saniert wurden, nicht belegen konnten. Jetzt sind die Zahlen hochgegangen – gerade auch im Konferenzraumgeschäft. Wir sind aber schon noch auf der Suche und sondieren, ob wir nicht noch zwei „geklonte“ Zahnärztekongresse bekommen können ... Das sind Veranstaltungen, die uns wirklich Spaß machen und die uns fordern. Sie sind auch gut für das Renommee.
Sabine Schoner: Es ist nicht so leicht, entsprechende Kongresse zu bekommen. Es steht und fällt immer mit der gesamten Infrastruktur. Wie ist die Lage? Sind wir schnell erreichbar? Das sind Fragen, die sich viele Veranstalter stellen. Die großen Kongresse finden in der Regel immer in Locations statt, die nah an Flughäfen liegen. Auch die Zuganbindungen sind wichtig. Und natürlich ist die gute Hotelsituation für einen Kongress entscheidend. Die Bettensituation für einen Kongress muss in Gütersloh passen.

In Verbindung mit dem Theater und der Stadthalle könnte sich Gütersloh mit einem Hotel als Tagungs- und Kongressort einen Namen machen.
Ralph Fritzsche: Ein Hotel ist seit Jahren in diesem Zusammenhang unser ausgesprochener Wunsch. Eine europaweite Ausschreibung für das Hotel wird veröffentlicht. Wir hoffen, dass es viele Bewerber beziehungsweise Investoren mit einem Betreiber für ein neues Hotel geben wird. Das Hotel ist in Gütersloh nicht ganz unumstritten. Der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet eine  Wettbewerbsverzerrung.
Ralph Fritzsche: Auch der Hotelbetreiber wird selbstverständlich einen Konferenzraum nicht umsonst anmieten können. Er wird zu unserem normalen Preis vermietet. Investitionen der Stadt in die Konferenzräume sollen sich durch ein Hotel noch besser amortisieren. Alleine im Konferenzraumbereich haben wir noch Kapazitäten, die dann entsprechend besser genutzt werden können.
Christian Schäfer: Im September können wir zum Beispiel aufgrund der aktuellen Situation während der Messe von Nobilia keine größeren Ensembles einladen. Diese Woche fällt für größere Gastspiele aus.
Sabine Schoner: Ich kenne die Bedenken aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit schon aus Bielefeld. Bei jedem Hotel, das dort gebaut wurde, gab es regelmäßig ähnliche Befürchtungen, die sich aber als unbegründet erwiesen haben.

Im kommenden Jahr feiert das Theater seinen zehnjährigen Geburtstag. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation des Gütersloher Theaters? Wie hat es sich entwickelt? Und wie werden Sie feiern?
Christian Schäfer: Wir werden auf jeden Fall feiern, wollen das Jubiläum aber nicht zu groß aufhängen. Über die Aktionen kann ich im Detail noch nicht sprechen. Am 13. März 2010 hat hier im Theater eine Eröffnungsfeier stattgefunden, und am 13. März 2020 wird es ein Geburtstagshappening geben – soviel kann ich bereits jetzt verraten. Darüber hinaus planen wir in der darauffolgenden Spielzeit 2020/2021 die Jubiläumssaison. Das Theater hat sich aus meiner Sicht sehr gut entwickelt. Gütersloh kann sich glücklich schätzen, dieses Theater zu haben, und die Stadt kann sich freuen, dass das Theaterleben mit dem Wegfall der Paul-Thöne-Halle nicht gestorben ist. Im Gegenteil: Wir haben einen lebendigen Kulturort in der Mitte der Stadt. Wir können nicht nur ein Theaterprogramm von hoher Qualität anbieten, die Stadtgesellschaft kann das Theater auch auf vielfältige Art nutzen. Es bietet in Gütersloh Möglichkeiten, die ohne ein vergleichbares Gebäude nicht umsetzbar wären. Ich denke da zum Beispiel an den Bertelsmann-Management-Kongress. Auch für die Mitarbeiter der ortsansässigen Firmen ist ein kulturelles Leben enorm wichtig. Das Theater gehört zur Lebensqualität und es ist natürlich auch ein Standortfaktor für diese Stadt. Das Gebäude hat architektonisch eine große Strahlkraft entwickelt – ein Glückfall für Gütersloh. Mit dem Theaterprogramm wollen wir das hohe Level, das wir erreicht haben, möglichst halten. Das bedarf jedes Jahr immer wieder ziemlicher Anstrengungen. Wir wollen uns beispielsweise auch den neuen Techniken im Zeitalter der Digitalisierung nicht verschließen. Das betrifft sowohl das Bühnenprogramm als auch die Infrastruktur.
Ralph Fritzsche: Das Theater ist ein Erfolgsmodell. Vor der Eröffnung des neuen Theaters hatten wir 400 Abonnenten – jetzt haben wir 4.000! In der vergangenen Saison hatten wir eine Gesamtauslastung von mehr als 80 Prozent, bei den Abendveranstaltungen von mehr als 90 Prozent. Wir werden nach dem Jubiläum wieder in das Theater investieren – auch in die digitale Ausstattung. Wir haben laufend in den vergangenen zehn Jahren investiert, um das Theater immer auf dem neuesten Stand zu halten.
Christian Schäfer: Es ist wichtig, diese Investitionen zu tätigen. Es gibt unzählige Beispiele von Bespieltheatern in Deutschland, die nicht investiert haben. Das hat sich massiv gerächt – bis hin zu Theaterschließungen.
Sabine Schoner: Das gleiche gilt auch für die Stadthalle. Wir müssen marktfähig bleiben, sonst bekommt man weder große Kongresse noch Ensembles. Viele Produktionen kann man ohne die entsprechende Technik nicht mehr abbilden.



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