RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum | Datenschutz

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.


„Das Leben ist geil!“

En paar Jährchen sind schon vergangen, nach unserem letzten gemeinsamen  Interview; es liegt mittlerweile knapp vier Jahre zurück. Damals kam die Gütersloher Band The Picturebooks gerade aus den USA zurück und war auf dem Weg zu ersten Gigs in England. International angesagte Agenturen planten schon damals die Konzerttouren, und Independent-Labels teilten sich die Aufgaben in Berlin und LA. Bei ihren Auftritten in den kleinen und angesagten Clubs diverser Städte gaben sie 60 Minuten lang alles – und Philipp zertrümmerte haufenweise die Schlagzeuge. Das Publikum war „elektrisiert“ von den Deutschen. Und jetzt? – Druckfrisch mit der März-Ausgabe des GT-INFO kommt am 8. März die neue CD „The Hands Of Time“ der Gütersloher auf den Markt. Ein Song darauf ist ein Duett mit Rock-Ikone Chrissie Hynde. Spätestens jetzt wird es also Zeit für ein ordentliches Update.

Ich treffe Fynn C. Grabke und Philipp Mirtschink, die Musiker hinter The Picturebooks, Ende Januar wieder einmal zwischendurch – nach ihrem Aufenthalt in den USA und kurz vor ihrem Abflug nach Kanada.

Text: Birgit Compin, Fotos: Claus Grabke

Es ist eigentlich nicht viel und sehr viel zugleich passiert“, antwortet Fynn auf meine Frage. „Wir geben immer noch einen Haufen Shows. Sie sind immer noch so intensiv wie früher, wenn nicht noch intensiver.“ Und doch ist alles jetzt viel größer geworden. The Picturebooks sind mittlerweile unter dem Label Century Media unter Vertrag, das sie weltweit gemeinsam mit Red Music/Sony Entertainment vertritt. „Und da fühlen wir uns pudelwohl“, sagt Philipp. Auch die Clubs werden immer größer, und die Konzerte sind weitestgehend ausverkauft.
In Kanada werden sie noch als Support der kanadischen Hardrock-Band „Monster Truck“ auftreten, bevor sie im Frühjahr erstmals selbst als Headliner durch ganz Europa touren. Im Gepäck haben sie dann ihr neues Album „The Hands Of Time“, das jetzt auf den Markt kommt. „Es ist das mit Abstand Beste, was wir je gemacht haben“, sagen sie. Dafür investieren sie seit Wochen und Monaten schon sehr viel Zeit in die Promotion und geben – bedingt durch die Zeitverschiebung – weltweit Nacht für Nacht haufenweise Interviews.

Und die Promotion setzt sich fort: Gerade waren sie zehn Tage in Los Angeles, mittlerweile ihrem zweiten Zuhause, wie sie sagen. Ein Videodreh für den Titeltrack „The Hands Of Time“ stand auf dem Plan. Die Idee dahinter: Dort genau die Leute, die immer an sie geglaubt haben und längst zum Freundeskreis zählen, genau in dem Moment zu filmen, in dem sie den Titelsong zum ersten Mal hören. „Das war mega – der Plan ist voll aufgegangen“, sagt Fynn. „Alle haben sofort mitgesungen und angefangen zu tanzen. Voll geil!“, ergänzt Philip. Daneben hatten sie noch verschiedene Fotoshootings in LA, es gab Pressetermine, und wenn sie mal Zeit hatten, genossen sie das Leben bei 27 Grad Celsius irgendwo zwischen Palmen, Kakteen und Meer.

Ihr sitzt quasi auf gepackten Koffern, morgen geht es los nach Kanada. Ein Wort zur Musik: Ist sie wirklich so einfach mit dem Begriff „Rock“ zu erklären? So zumindest steht es im Wikipedia-Eintrag über euch.
Fynn: Ich lach mich schlapp. Wer hat den geschrieben? Also: Wir machen in erster Linie ehrliche Musik. Wir nutzen unsere Instrumente als Werkzeuge, um das was in unserem Herzen passiert mit der Kunst Form Musik zu beschreiben. Kunst kennt keine Grenzen, also kennt Musik auch keine. Deswegen tun wir uns mit Genre so schwer. Das engt einen nur ein. Die Einflüsse hört man ja schon, trotzdem fahren wir ein ganz eigenes Ding, da bei uns mehr als nur die Musik eine Rolle spielt. Das ganze Bild zählt. Wir machen die Videos, die Fotos – wer uns in den sozialen Medien folgt, sieht wie wir arbeiten. Aber auch das in einer künstlerischen Form, die unsere Handschrift hat.  

Apropos Fotos: Sieht man euch zu den Auftritten fahren, scheint das technische Equipment recht überschaubar.
Philipp: Ziel ist: live so wenig wie möglich und so viel wie nötig an Equipment. Wir wollen einfach eine geile Show machen. Da muss man vorsichtig sein und nicht alles mit Technik zuballern. Andererseits braucht man gutes Equipment, um eine gute Show zu machen. Die Mitte ist also gefragt. Am Ende ist das aber egal, denn wenn Leute auf der Bühne stehen, die eins mit dem Publikum sind, springt der Funke auch ohne Strom und Technik über.
Fynn: Letztens ist der Strom komplett ausgefallen. Da habe ich einfach die Akustikgitarre genommen, bin an den Bühnenrand gegangen, und wir haben alle zusammen „Zero Fucks Given“ gesungen. Und genau das sind magische Momente, die man nie vergisst und für die wir so unendlich dankbar sind.

Verfolgt man die internationale Presse, beschreibt man euch dort gerne als die Ausnahmeband. Was ist damit gemeint?
Fynn: Ich glaube manchmal, dass es für die Leute ein Schock ist, wie ehrlich wir sind. Man ist so daran gewöhnt, verarscht zu werden. Gerade in der Musik, da wird einem alles, was man im Radio hört, einfach nur aufgezwungen. Ein Einheitsbrei, bei dem man selten die Sänger oder Sängerinnen überhaupt noch unterscheiden kann. Auch die Gitarristen spielen alle das gleiche. Schlagzeuger werden nur danach bewertet, wie sehr ihr Spiel einem Drum-Computer ähnelt. Das nimmt der Musik die Seele. Und der Konsument will am liebsten die Band schon vorher auf Facebook sehen, damit man weiß, ob es sich lohnt, zu deren Konzert zu gehen. Kunst ist erst Kunst, wenn sie ganz bewusst von einer Gruppe gehasst und von einer anderen geliebt wird. Als Künstler muss ich wissen, was will ich und vor allem: Was will ich nicht?! Und das wussten Philipp und ich von Anfang an. Wir wussten oft nicht wie man das umsetzt, aber wir wussten wie es am Ende klingen, aussehen und sich anfühlen soll. Ich glaube, das macht uns vielleicht nicht anders – aber besonders.

Auf dem neuen Album singt mit Chrissie Hynde eine Ikone der Rockmusik und Frontfrau der legendären The Pretenders. Ich selbst bin ein Fan und freue mich darauf wie verrückt. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
Fynn: Auch wir sind große Fans von ihr, und als wir vergangenes Jahr das Angebot bekamen, in Saint-Tropez mit dem Headliner The Pretenders aufzutreten, haben wir natürlich sofort zugesagt. Das war eine Mega-Location mit einer Bühne direkt am Strand. Beim Sound Check sah ich, wie Chrissie in der Mitte des Strandes stand und völlig zu unserer Musik abging. Das war schon ein cooles Gefühl, am Strand in Saint-Tropez nur für sie zu spielen. Danach haben wir uns näher kennengelernt und gemerkt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Ein paar Wochen später saßen wir im Miners in Gütersloh und sprachen darüber, dass wir gerne ein Duett aufnehmen wollen. Wir schrieben Chrissie eine SMS – und in nur zwei Minuten kam Ihre Nachricht zurück: „I‘m in!“.
Philipp: Als der Song fertig war, haben wir ihr den sofort geschickt, sie verliebte sich auf der Stelle darin, und eine Woche später war der Song fertig. Wir sind so stolz und glücklich, sie auf diesem Album zu haben. Die Frau ist echt der Hammer!

Noch ein paar Worte zur neuen CD: Was erwartet die Fans neben diesem Song?
Fynn: CD, Vinyl und der digitale Download  kommen gemeinsam am 8. März raus. Das Album ist unser größter Stolz! Wir haben in den vergangenen Jahren wirklich viel gelernt – aus unseren Produktionen und aus den ganzen Sachen, die uns passiert sind, auf Tour und in unserem Leben. Dieses Album ist das ehrlichste Werk, das wir je rausgebracht haben. Jeder Song handelt von Ehrlichkeit und über das Akzeptieren, dass es nur das Jetzt gibt. Nur jetzt kannst du morgen deine Vergangenheit gut machen. Das Leben ist geil. Darum geht es in diesem Album.
Philipp: Auch wenn es über die Tiefen spricht. Man muss sie akzeptieren und einen Weg finden, mit Negativem zu leben. Es war super- cool, dieses Gefühl mit neuen Instrumenten wie Piano, Mandoline, neuen perkussiven Instrumenten, die wir gebaut haben oder an den verschiedensten Orten dieser Welt gekauft haben. Das ganze Songwriting war viel intensiver, und trotzdem fiel es uns viel leichter als jemals zuvor.

Morgen geht es los, dann fliegt ihr zum ersten Mal zu einer Tour nach Kanada.
Fynn: Wir touren mit unseren Kumpels „Monster Truck“. Wir haben mega Bock und sind sehr gespannt, wie das wird. Das ist unser erstes Mal in Kanada. Der Wetterbericht sieht sehr interessant aus – mit Minus 30 Grad und Schneestürmen. Die Tour wird auf jeden Fall sehr fett. Monster Truck machen dort sonst die Eishockeyarenen voll und spielen jetzt ihre „Small Club“-Tour, was immer noch heißt, dass wir in Hallen vor 2.000 Menschen spielen. Und das oft zwei- bis dreimal hintereinander in den Hauptstädten.  

Von April bis Mai steht die eigene Europatour mit euch als Headliner auf dem Plan, dann geht es zurück in die USA und auf die anstehenden Sommerfestivals. Am 20. April spielt ihr in Osnabrück. Ist ein Auftritt in Gütersloh auch in der Planung?
Fynn: Das ganze Jahr ist voll gepackt. Wir planen jetzt schon 2020. Es ist schon verrückt wie das so läuft und wie weit man im Voraus planen muss. In Gütersloh würden wir sehr gerne spielen, uns fehlt aber die Location dafür.

Ihr seid mittlerweile ständig auf Tour. Was braucht es, damit ihr euch dabei gut fühlt?
Philipp: Gesundes veganes Essen, ein gutes Bett, in dem man irgendwie zum Schlafen kommt und eine saubere Dusche. Wir versuchen immer ein bisschen Zeit zu haben, um die Stadt zu sehen. Wir wollen nicht so viel reisen und am Ende nichts davon gesehen  haben.

Künstler, die erfolgreich sind, ziehen irgendwann nach Berlin, in den USA sind LA oder NYC die Hotspots. Wie sieht es da aus? Zieht es euch auch weg aus Gütersloh?
Fynn: Wir wohnen ja halb in LA und halb in Gütersloh. Bei 170 bis 200 Shows im Jahr ist man sehr wenig zu Hause. Da freut man sich, in eine Stadt zu kommen, in der nicht so viel los ist, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Gütersloh ist unser Zuhause. Wir haben hier unser Studio, unsere Garage, unsere ganze Familie – und dahin kommen wir gerne immer wieder zurück. ˜


Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.