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Führt seit 2014 die Weberei: Steffen Böning. Foto: Jens Dünhölter

35 Jahre Weberei

Die Weberei feiert ihren 35-jährigen Geburtstag. Kaum jemand kann sich Gütersloh ohne sein Bürgerzentrum vorstellen. Dass ein Teil der ehemaligen Weberei Greve & Güth als denkmalgeschütztes Gebäude noch steht und als soziokulturelles Zentrum genutzt wird, ist aber nicht selbstverständlich, sollte die ehemalige Textil-

fabrik doch einst der Abrissbirne zum Opfer fallen. Ende der 1970er-Jahre war die Mehrheit in Politik und Verwaltung für einen Abriss. Aus einer Gruppe von Aktivisten gründete sich im März 1980 ein Verein für die Einrichtung eines soziokulturellen Bürgerzentrums. Schließlich wurde nach einer denkbar knappen Abstimmung im Rat am 13. Januar 1984 das Bürgerzentrum „Die Weberei“ eröffnet. Seitdem ist es immer wieder in der öffentlichen Diskussion. 35 Jahre lang Höhen und Tiefen – und vor allen Dingen wirtschaftliche Schwierigkeiten prägten häufig die öffentliche Diskussion. Nach zwei Insolvenzen wählte die Stadt Gütersloh in einem Auswahlverfahren die Brüder Tim und Steffen Böning als neue Betreiber aus. Seit 2014 betreibt Steffen Böning zusammen mit den Gastronomen Andreas Oehme und Albrecht Sprenger das Bürgerzentrum in Form der Bürgerkiez gGmbH. Auf der Agenda stehen der Ausbau des Kultur- und Soziokulturprogramms sowie die Professionalisierung der Gastronomie. Aus Anlass des Geburtstages traf sich GT-INFO-Chefredakteur Markus Corsmeyer mit Weberei-Chef Steffen Böning zum Interview.

Die Weberei wird 35 Jahre alt. Ist das eigentlich ein Grund zum Feiern?

Auf jeden Fall! Es gibt sie seit 35 Jahren in dieser Stadt, und niemand kann sie sich wegdenken. Darüber hinaus steht die Weberei gerade auch jetzt sehr gut da. Sie hat viele Gäste und Besucher. Und wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Zwei Gründe zum Anstoßen.

Bitte etwas genauer ...

Das Aushängeschild für den Erfolg eines Kultur- und Bürgerzentrums ist einfach die Nutzung. Hier sind von morgens bis abends viele tausend Bürger, die im Jahr die Weberei immer wieder intensiv nutzen. Das ist eigentlich das größte Kompliment. Wenn dann dahinter die Mannschaft einen guten Job macht und die Zahlen funktionieren, dann kann man wirklich zufrieden sein. 

Die Weberei ist seit ihrer Eröffnung vor 35 Jahren immer wieder ein öffentliches Thema.  Vor kurzem sorgte der Streit zwischen Weberei und Kulturdezernent Andreas Kimpel für Diskussionen und Aufsehen. Warum kommt die Weberei nie richtig zur Ruhe?

Man kann das ja auch positiv sehen. Sie ist immer von großem öffentlichen Interesse. Jeder verbindet etwas mit der Weberei, jeder hat eine Meinung. Das ist ja erstmal positiv. Die Dinge, die zurzeit öffentlich diskutiert werden, stimmen zum größten Teil gar nicht. Wir sind in einem guten Austausch – sowohl mit der Stadt als auch mit der Politik. Den uns oft unterstellten Zwist sehen wir nicht.

Sie haben die Weberei zum „Kultur-schutzgebiet“ ausgerufen. Was sollen wir uns darunter vorstellen?

„Kulturschutzgebiet“ – das ist eine Idee, die hier intern aufgekommen ist. Kultur ist grundsätzlich schützenswert. Und sie muss gehegt und gepflegt werden. Kultur ist ein immer wichtigeres Element für die Gesellschaft. Sie bringt – auch in digitalen Zeiten – Menschen zusammen, bereichert die Diskussionsgrundlagen und lässt uns in neue Richtungen denken. Daher ist Kultur so wichtig, und sie muss eben auch geschützt werden. Hier in Gütersloh gibt es viel Kultur und Engagement. Das wollen wir symbolisch schützen.

Sie haben 2014 die Weberei übernommen und einen gut dotierten Managerjob aufgegeben. Haben Sie das jemals bereut?

Es gibt in jedem Job Tage, an denen man denkt: „Warum hast du das nur gemacht?“ In der Summe bereue ich es aber nicht. Wir sind aus Überzeugung angetreten. Hier haben wir unsere Jugend verbracht und viel erlebt. Wir hatten ein überzeugendes Konzept und haben daher den Zuschlag bekommen. 

Fünf Jahre Weberei unter ihrer Führung. Gibt es noch weitere fünf Jahre?

Es war immer ein Team. Momentan sind wir zu dritt im Führungsteam mit unterschiedlichen Kompetenzen. Die Weberei kann man alleine gar nicht führen. Solange es Spaß macht, solange es funktioniert, gibt es keinen Grund für uns aufzuhören.

Die Weberei wird zum Teil auch aus Berlin gelenkt ...

Wir haben immer schon mindestens einen Gesellschafter in Berlin gehabt. Das hat sich überhaupt nicht verlagert. Für gute Kulturarbeit ist Berlin in vielerlei Hinsicht von Vorteil. Dort gibt es viele Künstler und Agenturen und auch deutlich mehr Partner im Bereich Marketing, so dass wir dort das Netzwerk nutzen, um es hier lokal ausspielen zu können. 

Kann man in diesen fünf Jahren von einer Erfolgsgeschichte sprechen? Und wo liegen die Highlights?

Erfolg, so wie ich ihn definiere, bedeutet, dass das Bürgerzentrum genutzt wird. Wenn man die Nutzung zum Erfolgsmaßstab nimmt, kann man auf jeden Fall von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Die Weberei wird ganz klar stark genutzt, sie hat ein tolles Programm. Es ist uns gelungen, ein Bürgerzentrum für alle Bürger zu entwickeln. Hier ist wirklich jeder zuhause. Toll ist die bunte Vielfalt, die hier stattfindet. Das ist für mich ein Erfolgsfaktor. 

Was haben Sie sich zum 35-jährigen ausgedacht?

So einen Geburtstag muss man feiern. Aber, da die Weberei nicht an einem Tag entstanden ist, kann man das auch nicht nur an einem Tag feiern. Wir machen ein Jubiläumsjahr mit verschiedenen Schwerpunkten. Im Sommer gibt es einen Tag der offenen Tür und eine Open-Air-Veranstaltung, und das Programm hat noch weitere Highlights. Das Jubiläumsjahr wird gebührend gefeiert.

Professionalisierung der Gastronomie und Ausbau des soziokulturellen Programms – beides Schwerpunkte für Ihre Arbeit. Gibt es neue Impulse, neue Ideen für die Zukunft?

Wir haben es geschafft, dass mit ausgebildeten Köchen in der Gastronomie eine gute Küche angeboten wird, die zum Angebot und den Zielgruppen passt. Programmatisch gibt es immer einen Wandel. Soziokultur sah vor zehn oder 20 Jahren anders aus als heute – sie wird auch in fünf Jahren anders aussehen. Wir waren gerade in Freiburg auf der größten Kulturmesse. Dort konnte man erkennen, dass sich Kultur und Soziokultur verändern.

Wie ist das Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern?

Die Weberei ist sehr breit aufgestellt. Natürlich kann man das nicht alleine stemmen. Wir haben eine gute Mannschaft und sehr stark investiert in die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter, denn es gibt nicht den Soziokultur-Manager von der Uni. Man muss die Mitarbeiter selbst ausbilden. Wir haben einen großen Anteil an Auszubildenden. Unsere Mitarbeiter können unheimlich viele Aufgaben sehr kompetent intern abbilden. 

Wie ist es um die Akzeptanz der Weberei in Gütersloh bestellt? Ist die Weberei nach 35 bei den Güterslohern angekommen?

Akzeptanz und Interesse sind auf jeden Fall vorhanden – sonst wäre es nicht so interessant, immer wieder über die Weberei zu reden. Die Gütersloher und Ostwestfalen allgemein können eher meckern und nicht loben. Aber in Gütersloh gibt es wenig Anlass zur Kritik. Im Kulturbereich haben wir so tolle Initiativen. Es gibt das Theater, die Soziokultur, viele Initiativen im Mohnspark, auf dem Dreiecksplatz, im Wapel- und Parkbad ... Das ist ein Angebot, das man positiv rausstellen sollte. Das Programm ist ein hervorragender Standortfaktor. Die Akzeptanz des Kulturangebotes ist da – alles ist gut besucht. Nur manchmal ist es besser, nach vorne, statt auf die Fehler des jeweilig anderen zu schauen. 

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Gütersloh?

Natürlich gibt es mit der Stadt, die der Eigentümer des Gebäudes und Zuschussgeber ist, immer wieder Diskussionen – wie allgemein in allen Geschäftsbereichen auch. Manchmal muss man härter verhandeln, mal hat man schneller eine Einigung. Das sind normale Geschäftsvorfälle und Prozesse in einem so großen Zentrum mit vielen Mitarbeitern und Gästen. Ich kenne niemanden in Verwaltung und Politik, der die Weberei in Frage stellt.

Was ist in den vergangenen Jahren in der Weberei entstanden?

Die Weberei hat in den vergangenen 35 Jahren viel hervorgebracht. Dazu gehören traditionelle Konzerte wie die der smAllstars oder eine ganze Reihe an Bürgerinitiativen. Wenn man sich umhört, wer sich hier gegründet oder erste Ideen entwickelt hat, kann man feststellen, wie vielseitig es hier ist. So ein Zentrum ist wichtig für die Stadt und nicht mehr wegzudenken. Hier entstand und entsteht eine ganze Menge. 

 

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