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Die Schönheit des Stadtparks erschließt sich auch aus der Vogelperspektive. Foto: Jens Dünhölter

Ab in die Botanik

Seit einigen Jahren schon lädt Stadtführer Matthias Borner zu einer virtuellen Indoor-Führung durch die Stadt ein. Mit durchschlagendem Erfolg. Was zunächst mit einer noch überschaubaren Zuhörerschaft im Bambikino begann, hatte sich bald schon zu „Ostwestfalens größter Stadtführung“ in der Stadthalle entwickelt. Und was so vollmundig klingt, hat durchaus seine Berechtigung. Insgesamt 3.000 Besucher kamen im Laufe der Jahre zusammen und viele von ihnen bildeten zuletzt die Rekordkulisse im großen Saal der Stadthalle – mit verkaufter Vorstellung.

Und jetzt also „Ab in die Botanik“. So heißt das Programm des erklärten Liebhabers von Gartenkunst und Pflanzenkunde. Bereits im vergangenen Jahr stellte er gemeinsam mit Pianist Thorsten Lorenz das amüsante und lehrreiche Programm in der ausverkauften Skylobby vor. Am 9. Februar, 19.30 Uhr, nehmen beide ihr Publikum nun mit in die Stadthalle. Ihr erklärtes Ziel: mit „Ostwestfalens größtem Parkrundgang“ im ausverkauften großen Saal zu punkten. Und das könnte klappen, denn die Tickets gehen gerade weg wie die ersten Tulpen im Frühjahr.

Ein Ausflug in den Stadtpark? Noch dazu im Februar? „Unbedingt!“, sagt Matthias Borner und erklärt gemeinsam mit Pianist Thorsten Lorenz GT-INFO Redakteurin Birgit Compin, warum es jetzt der winterliche Rundgang durch Güterslohs grünes Wohnzimmer sein soll –und vor allem muss!

Von Gartenkunst und Aphrodisiaka

Wer Matthias Borners humorvolle Stadtführungen in der Stadthalle kennt, der weiß: Das hier wird kein typischer Spaziergang durch die Botanik. Hier lehnen sich die Zuhörer gemütlich in ihrem Sessel zurück und erfahren bei einem amüsanten und informationsreichen, bunt bebildertem Vortrag auf der Bühne so allerhand: „Sie hören Erstaunliches, Verblüffendes und höchst Unterhaltsames über die Pflanzen des Stadtparks, die Geschichte der Gärten und viele wundersame Dinge, von denen sie noch gar nicht wussten, dass es sie gibt“, erklärt Borner. Bei seinen Ausflügen durch die einzelnen Landschaften des Parks geht es um lasterhafte Auswüchse auf der Liebesinsel, um Beete voller Drogen, Gifte und Aphrodisiaka – und darum, wie Musik auf Blumen wirkt. Eine Frage übrigens, auf die Pianist Thorsten Lorenz die wohl besseren Antworten weiß. „Schließlich ahnen nur wenige, wie Beethovens Kompositionen geklungen hätten, wenn vor seinem Fenster statt einer Trauerweide eine Sonnenblume gestanden hätte.“ Von Schlafmohn wollen wir da nicht einmal reden. Oder vielleicht doch? 

So erzählen also beide der Redakteurin, worauf sich die Besucher der Veranstaltung freuen können. Die wiederum nimmt Stift und Papier zur Hand, schaltet den Rekorder ein, lehnt sich zurück in einem der Sessel, in dem bald schon ein Zuschauer dem Treiben auf der Bühne folgen wird und hört den Protagonisten zu, während sie von der Zusammenarbeit und ihrem Programm erzählen.

Wie Pflanzen klingen

Kennengelernt haben sich die Zwei schon vor Jahren bei Bertelsmann. Beide machten hier ihre berufliche Ausbildung. Schon damals schrieb Lorenz so ganz nebenbei Kabarettprogramme, füllte in der Freizeit mit seiner Kleinkunst die Marktplätze von Hamburg bis Bonn und trat als Musiker mit Bands im Münsterland auf. Und Borner? „Über den Blockflötenunterricht in der dritten Klasse bin ich nie hinausgekommen“, sagt er. „Aber Thorsten ist einer, der hört ein Lied und kann es nachspielen.“ Und somit habe der Thorsten genau das, was ihm bei dem Ausflug in die Botanik fehle. Jetzt gibt er durch sein Spiel und eingestreute Showeinlagen dem Programm einen kleinen musikalischen Rahmen, in dessen Mittelpunkt aber immer die herrlich bunte Pflanzenwelt steht. 

Das war die Herausforderung. „So wie Matthias beim Blockflötenunterricht hängen blieb, ist es bei mir mit der Botanik: „Ich kann zwar gut Gras vom Baum unterscheiden, aber kaum mehr.“ So haben beide versucht, sich musikalisch und botanisch zu verständigen. „Wie kann man Musik und Pflanzen zusammenbringen?“, waren die Fragen, die sie jetzt erörterten. Wo kommt Botanik in der Musik überhaupt vor und welchen Einfluss könnten Pflanzen auf Musiker haben, fragten sie sich. Sie kamen zu dem Schluss, dass der Unterschied gravierend sei, ob ein Musiker beim Komponieren auf eine Sonnenblume oder Trauerweide schaue. Was es damit auf sich hat, erfahren die Zuschauer anhand humoriger Einlagen und Beispielen von Bach bis Beethoven und vielleicht auch weit darüber hinaus. Dann wieder beleuchten sie Musikstücke mit blumigen Titeln oder zeigen dem Publikum: „Wie das eine oder andere bekannte Stück unter Einfluss einer besonderen Pflanze klingen könnte.“ Erkennt man es dann überhaupt noch? 

Sehen und Wahrnehmen sind zwei unterschiedliche Dinge

Drum herum ranken sich die Blumen. Kurzweilig und kenntnisreich führt Matthias Borner durch das Programm. Diese Führungen durch das unbekannte Bekannte liegen ihm einfach: Das war schon immer so. Egal, ob in der Stadthalle oder ganz früher, beim Stadtrundgang mit seinem Programm „Gütersloh für Besserwisser“. „Ich habe schon damals als Stadtführer die Stadt neu für mich entdeckt und das auch weitergegeben.“ Dann zeigte er den Zuhörern, worauf sonst niemand zu achten schien. „Ich kann den Leuten natürlich nichts Neues zeigen, denn die Gebäude und auch der Park sind den Einheimischen hinlänglich bekannt, aber sie haben viele Dinge noch nicht gewusst, ober einfach nicht wahrgenommen.“  Und es war dieses Aha-Erlebnis, „diese Erweiterung des Wahrnehmungshorizontes“, das ihn immer wieder zu neuen Ideen antreibt. 

Dann kam seine Liebe zum Stadtpark mit all ihren Folgen. Sie wuchs, als Stadtführerin Barbara Weidler ihm gemeinsam mit anderen Interessierten bei einem ihrer Rundgänge die Botanik zeigte und erklärte. „Ich war begeistert“, sagt er schlicht und was 

folgte war doch klar: Er beschäftigte sich jetzt intensiv mit all den Pflanzen, erforschte die Geschichte des Parks und entdeckte täglich mehr. „Dieser Stadtpark“, so Matthias Borner, „ist eine Sehenswürdigkeit und Attraktion, für die Touristen extra nach Gütersloh kommen. Das ist eine Tatsache.“

Geschichten über die  große Gartenkunst

So geht es beim Ausflug „Ab in die Botanik“ auch um die Geschichte der Gartenkunst. Und wieder gerät Borner ins Schwärmen: Sowohl der Stadtpark als auch der Botanische Garten sind als Beispiel für die Geschichte der Gartenkunst eingebunden in das europäische Gartennetzwerk „European Garden Heritage Network“ – eine Partnerschaft von Regierungsorganisationen, Tourismusagenturen, gemeinnützigen Vereinigungen, regionalen Kommunalverbänden, Stiftungen und anderen Gartenbesitzern mit dem Ziel, den Erhalt von Parks, Gärten und Grünanlagen zu fördern. Und? Hätten sie das gewusst? „Das ahnt man als Gütersloher ja gar nicht“, nimmt Matthias Borner die Antwort vorweg. Und genau das müsse man doch mal erklären!

Ein bisschen was für Besserwisser

Genauso wie die Tatsache, dass die komplette über tausendjährige Geschichte der mitteleuropäischen Gartenkunst an diesem Gütersloher Park abzulesen sei. Und Borner zählt auf: Der Renaissancegarten und der Landschaftsgarten, der Volkspark oder gar die Einflüsse der Reformgartenbewegung sind hier genauso zu finden wie der Naturgarten – es ist alles da! Nur eben ein bisschen kleiner vielleicht als anderswo. Wie zum Beispiel in der ungleich größeren Anlage der Kölner Flora mit ihrem Botanischen. Und sofort erhalte ich eine kleine Einführung in die Botanik für „Besserwisser“: „Unser Stadtpark“, klärt Borner mich auf, „wurde nach der Lennéschen Schule gestaltet. Ganz genauso wie die Gartenanlage in Köln.“ Beiden Gestaltungen liegen die Konzepte des preußischen Gartenkünstlers Peter-Joseph Lenné zugrunde, der im 19. Jahrhundert für seine Arbeit berühmt war. Und so, schließt Borner den gekürzten Ausflug in diesen Teil seines Programms, sind Lennés weiträumige Parklandschaften die Vorbilder der Elemente, die im Gütersloher Stadtpark allesamt zu finden sind. Hätten Sie’s gewusst? Na, eben!

Heimat der Pflanzen aus aller Welt

„Und dann erst der Botanische!“, führt Borner die Redakteurin jetzt hin zum Garten der Heilpflanzen und so viel mehr. Die ganze Welt sei hier zu entdecken, holt er aus und sie erhält eine weitere kleine Kostprobe des bunten Gartenprogramms. Sie hört, dass hier Pflanzen aller Kontinente versammelt sind, die Antarktis mal ausgenommen. Das müsse man sich einfach mal bewusst machen, dass man all das im Botanischen Garten in Gütersloh entdecken kann. Pflanzen, die man sonst in Natura nie sehen würde – oder für sie um die ganze Welt reisen müsste. Da gibt es zum Beispiel den „Kaminroten Zylinderputzer“. Das erklärte Lieblingsgewächs des Pflanzenliebhabers stammt ursprünglich aus Australien „und ich wüsste nicht, wo man es hier im Umkreis finden würde.“ Er erzählt von all den Heilkräutern, die hier wachsen, und von Gewächsen mit giftigen Substanzen, deren Mischungen hier und da mehr als nur ein wenig Unwohlsein hervorrufen können. Dann gibt es da die sonderlichen Gewächse mit der einen oder anderen halluzinogenen Wirkung. 

Message mit Blümchen zum Schluss

Matthias Borner und Thorsten Lorenz haben mit „Ab in die Botanik“ eine Indoor-Führung auf die Beine gestellt, die informativ und amüsant durch den Gütersloher Stadtpark führt. Angereichert mit einem erfrischenden Musikprogramm und kleinen Anekdoten sorgen sie einen Abend lang für beste Unterhaltung. „Die Zuhörer erwartet kein trockener Vortrag, aber auch kein Gag-Feuerwerk, sondern eine gute Mischung“, erklären beide. „Wir wollen damit Inhalt und Message transportieren, bunt garniert mit dem einen oder anderen Witz, sowohl textlich als auch musikalisch“. Und das sei auch die eigentliche Message: „Macht euch einmal bewusst, was für ein tolles Gelände wir hier direkt vor unserer Tür haben. Eines, das vor 100 Jahren in einer Stadt mit 8.000 Einwohnern angelegt wurde und heute ein ganz besonderes Erbe darstellt.“

Zum Schluss ihrer Exkursion wollen Borner und Lorenz, dass die Zuschauer etwas mitnehmen, in die vermutlich kalte Winternacht im Februar: „Die Besucher erhalten eine Minipflanze“ sagen sie. Die soll sie dann auch Zuhause daran erinnern, was es im Botanischen Garten und Stadtpark so alles zu entdecken gibt. „Denn“, meint Borner, „so informativ und kurzweilig unsere Indoor-Führung im Winter auch ist, kann sie einen echten Besuch des Stadtparks im Sommer doch niemals ersetzen.“ 

 

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