RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum | Datenschutz

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.

Foto: Jens Dünhölter, Archiv

Stille Nacht und O du fröhliche:

Ein Ordensmönch und ein katholischer Pfarrer, eine evangelische Pfarrerin und ein evangelischer Pfarrer beschreiben ihr persönliches Erleben des bevorstehenden Weihnachtsfestes – beruflich und privat-emotional.
Wie bereiten sie sich auf diese ganz besonderen Tage mit der zentralen christlichen Botschaft vor? Wie sehr berühren sie die Weihnachtsrituale, nimmt ihnen vielleicht der professionelle Umgang mit Weihnachten ein
Stück weit den Zauber und die Magie? Was ist ihr zentrales Erleben dieser Hochtage im Kirchenjahr?

Die GT-INFO-Redakteure Birgit Compin und Heiner Wichelmann haben Pfarrerin Karin Brunken (Evangelische Erlöserkirche, Gütersloh), Bruder Marcio Lenzen Lisboa (Orden der Franziskaner, Rheda-Wiedenbrück), Pfarrer Elmar Quante (verantwortlicher Pfarrer für den Pastoralen Raum Gütersloh der katholischen Kirche) und Pfarrer Michael Frentrup (Evangelische Matthäus-Gemeinde) befragt. Hier ihre Antworten, die zeigen: Weihnachten ist und bleibt auch für die Kirchenprofis ein Fest ohnegleichen. Es verbindet Freude und Faszination, Liebe und Verbundenheit.

 

 

Pfarrerin Karin Brunken

Erlöserkirche Gütersloh, Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh

Was bedeutet Weihnachten für Sie ganz persönlich? 

Ich liebe Weihnachten und alles, was damit verbunden ist: die Vorbereitungen, das Entzünden von Kerzen, das Schmücken der Wohnung und das Zusammensein mit der Familie. Auch der Weihnachtsmarktbummel gehört natürlich dazu. Wichtig ist aber auch, etwas innezuhalten und Zeit für sich zu haben, um nicht aus dem Blick zu verlieren, warum wir dieses wunderbare Fest überhaupt feiern dürfen!

 

Wie viele Messen müssen Sie vorbereiten? Und wie bereiten Sie sich darauf vor? 

Am Heiligabend halte ich zwei Gottesdienste. Für die dazugehörigen Krippenspiele proben unsere Konfirmanden und auch Kinder mehrere Wochen; ein Team unterstützt mich dabei. Am 23. Dezember gibt es einen Gottesdienst mit Vorpremiere und am ersten Weihnachtstag halte ich einen Gottesdienst mit Abendmahl. In der Vorbereitung suche ich immer wieder mal ein paar ruhige Minuten im Kirchraum, die mir helfen, aus dem wuseligen Alltag herauszukommen. Und auf meinem Schreibtisch brennt immer eine Kerze. 

 

Die Vorweihnachtszeit erleben viele Menschen als stressig und anstrengend. Wie empfinden Sie Ihre Vorbereitungen: Sind sie besonders anstrengend oder eher wunderbar und schön?

Die Vorbereitungen sind anstrengend und schön zugleich. In der Tat gibt es wirklich sehr viel zu tun, doch wir haben jetzt auch etwas Grundlegendes unseres christlichen Glaubens zu verkündigen: Wir erzählen von der Geburt von Gottes Sohn. Einen schöneren Beruf könnte ich mir gar nicht vorstellen! Da haben die vielen Termine und die Stunden am Schreibtisch eine ganz besondere Qualität.

 

Wie werden Sie Weihnachten feiern?

Ich werde am Heiligabend mit meinem Mann und unseren Töchtern nach der Bescherung Raclette essen. Das Essen bereitet mein Mann vor, während ich die Gottesdienste halte. Und am ersten Weihnachtstag kommt am Nachmittag die ganze Familie zusammen, dabei geht es sehr ausgelassen und fröhlich zu.

Gibt es etwas ganz Besonders,
das Sie mit Weihnachten verbindet?

Ich mag Weihnachten sehr und das Schönste ist es für mich in jedem Jahr, wenn wir in der dunklen Kirche, die nur noch von Kerzen erhellt ist, mit Orgel und Bläserchor das Lied „O du fröhliche“ singen!



Bruder Marcio Lenzen Lisboa OFM

Orden der Franziskaner, Kloster Rheda-Wiedenbrück 
Was bedeutet Weihnachten für Sie ganz persönlich?

Weihnachten! Gott kommt zur Welt! Das ist das erste Geheimnis, denn es ist das Wunder von Weihnachten. Daran schließt sich noch ein zweites Geheimnis an, nämlich WIE Gott zur Welt kommt: Er kommt als kleines Kind! Es ist das Zeichen des Kindes – und damit das Geheimnis von Weihnachten und mein ganz persönlicher Weihnachtsmittelpunkt.

Wie viele Messen müssen Sie vorbereiten? Und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Normalerweise halte ich eine Messe am Heiligen Abend und ebenfalls eine an den beiden Weihnachtstagen. Die Messe selbst „bereite“ ich zuerst für mich vor, und zwar gerne schon ein paar Wochen zuvor. Besonders die Predigt soll ja vom „Verstand zum Herzen sacken“, mit einem klaren Ziel für uns alle.

 

Die Vorweihnachtszeit erleben viele Menschen als stressig und anstrengend. In Ihrem Fokus steht dann Jahr für Jahr die Vorbereitung auf das höchste Fest der Christenheit. Wie leben Sie das?

Eine Messe vorzubereiten, und zwar mit der nötigen Zeit, Ruhe und der Freude, deiner eigenen Berufung nachzugehen, ist doch etwas ganz Wunderbares.

 

Wie werden Sie selbst Weihnachten feiern?

Weihnachten feiere ich mit den Menschen und den Möglichkeiten, die Gott mir gegeben hat.

 

Gibt es etwas ganz Besonders, das Sie mit Weihnachten verbindet?

Es gibt etwas ganz Persönliches und Herrliches, das ich mit Weihachten verbinde: In dem Augenblick, in dem wir das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ miteinander in der Kirche singen, fühle ich mich mit der ganzen Weltkirche verbunden. Dieses Lied wird in so vielen Sprachen auf der Welt gesungen und so fühle ich mich mit allen Menschen verbunden. Dann bekomme ich „Gänsehaut“ und oft weine ich wie ein „Schlosshund“.

 

Pfarrer Elmar Quante 

Katholische Kirche Gütersloh

… und plötzlich ist es Weihnachten!

Geht es Ihnen auch so? Erst denkt man, du hast noch so viel Zeit und dann ist plötzlich Weihnachten. Der Weihnachtsbaum muss noch gekauft werden und die Krippenfiguren warten darauf, ihr Quartier im Wandschrank zu verlassen. Was kochst du am zweiten Feiertag, wenn die ganze Familie anrückt: Mutter und Geschwister, Nichten und Neffen mit Partnern? Jedes Jahr dasselbe Prozedere. Aber das ist für mich nur die eine Seite von Weihnachten, sozusagen die private. 

Wenn ich in der Adventszeit in die Stadt gehe, um Weihnachtsgeschenke bzw. Dinge für den privaten Gebrauch zu kaufen, und auf meinem Weg dabei an den Menschentrauben bei Roggi auf dem Weihnachtsmarkt vorbeigehe, frage ich mich: „Was erwarten die Weihnachten von dir, wenn sie zum Gottesdienst kommen. Was möchten die im Gottesdienst am Heiligen Abend oder am Weihnachtsfest hören und auch emotional erleben?“ Jede und jeder schaut in diesen Tagen auf das zu Ende gehende Jahr zurück und zieht persönlich Bilanz. In diese persönliche Stimmung, die auch vom politischen Weltgeschehen und von innerkirchlichen Diskussionen beeinflusst wird, die Weihnachtsbotschaft zu verkünden, ist schon eine Herausforderung. Schließlich geht es nicht nur um die Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem sondern darum, die frohmachende Botschaft des menschgewordenen Gottessohnes in ihrer Tiefe zu verkünden. Da ist Kritik am Konsumverhalten völlig fehl am Platz und noch mehr die evtl. Feststellung, dass nur Weihnachten die Kirche voll wird. Die Menschen, die zum Gottesdienst kommen, suchen Orientierung und möchten bereichert nach Hause gehen. Das gelingt, wenn die Botschaft des Festes im Mittelpunkt steht und Hilfen gibt, das Leben besser zu verstehen und als Geschenk aus Gottes Hand anzunehmen.

Wenn ich nach den Gottesdiensten oder einige Tage später per E-Mail Dank für die Gestaltung der Weihnachtsgottesdienste bekomme, weiß ich, dass die Botschaft in den Herzen der Menschen etwas bewirkt hat. Umso dankbarer kann ich dann persönlich auf Weihnachten zurückschauen. Weihnachten, jedes Jahr Herausforderung und Erleben von tiefer Freude!

 

Pfarrer Michael Frentrup 

Evangelische Kirche Gütersloh

Alle Jahre wieder – Routine oder Highlight?

… so werde ich jedes Jahr gefragt. Das Weihnachtsfest hat für mich als Pfarrer von beidem etwas. Es ist wie in der Familie: Natürlich weiß man, wo der Weihnachtsbaum hingehört und wer ihn schmückt. Selbstverständlich hat man den Ablauf des Tages verinnerlicht. Aber wenn es dann soweit ist, ist es immer wieder ein ganz besonderer Moment: Wie „alle Jahre wieder“ und doch immer etwas anders und voller Überraschungen. Deshalb stellt Weihnachten keine bloße Routine dar, sondern ist in jedem Jahr neu eine Herausforderung.

Für mich ist dieses Fest eines, das trotz aller Mühen, die damit verbunden sind, Kraft gibt und trägt. Das liegt an der wunderbaren, für manche gewiss auch wunderlichen Botschaft: Gott kommt zur Welt. 

Und das liegt an den Menschen, denen ich in dieser Zeit und vor allem in den Heiligabendgottesdiensten begegne. Da wird ganz intensiv zugehört. Da liegt manche Seele offen. Und viele erhoffen sich einen Impuls, etwas zum Nachdenken, das sie mitnehmen können.

Die Gottesdienste am Heiligabend gehören zu den dichtesten im Jahreskreis. Sie sind für viele Besucherinnen und Besucher ein Stück Heimat, zuweilen eine fremde Heimat. An kaum einem anderen Gottesdienst im Jahreslauf nehmen so viele jüngere Menschen zwischen 18 und 30 teil wie an dem Festgottesdienst um 18 Uhr. Das freut mich besonders.

Ich habe den Eindruck, dass der Gottesdienst mit seinen Inhalten einen Kontrapunkt setzt zu all dem Stress, den die Menschen in der Zeit vorher erleben. Ich vermeide es, billige Konsumkritik etwa an dem Geschenketrubel zu üben, sondern möchte, dass die Geschichte von der Geburt Gottes im Stall von Bethlehem als Hinweis auf das entscheidende Geschenk spürbar wird. Dazu ist der traditionelle Rahmen mit Weihnachtsbaum und Chorgesang wichtig und auch die Predigt. Es ist nicht leicht, immer wieder neue verständliche, lebensfördernde Worte zu finden. Darum mache ich mir schon am Beginn der Adventszeit erste Gedanken über die Weihnachtspredigt. Schließlich soll nicht nur das Jesuskind in der Krippe ankommen, sondern die gute Botschaft bei den Menschen.

Wenn ich es recht bedenke, muss ich sagen: Weihnachten ist vor allem ein Highlight – ein Licht aus der Höhe.

 

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.