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Ruhe vor dem Sturm der Stürmer: Fußballlehrer Uli Laustroer erklärt den Vier- bis Sechsjährigen die nächsten Übungen seines kindgerechten Balltrainings. „Es gibt viele gute und schlechte Trainer mit und ohne Trainerschein“, sagt er. „Wichtig ist jedoch, dass man gewillt ist, Schulungen anzunehmen und weiter zu geben.“ Foto: Jens Dünhölter.

Beim Training mit Lewandowski & Co.

Was haben Dortmund, München, Bielefeld oder Barcelona mit Deutschland gemeinsam? Die Trikots ihrer Fußballvereine wirbeln einmal pro Woche wie verrückt in der Sporthalle der Grundschule Overberg umher. Ihre Träger sind vier- bis sechsjährige Jungen und Mädchen. Auf ihren Shirts stehen die Namen der Vorbilder aus der Fußballwelt: Messi steht da, Lewandowski sowieso und Müller natürlich auch. Es ist Mittwochnachmittag und die Kids sind gerade in die Halle gestürmt. 

Trainer Uli Laustroer begrüßt den quirligen Haufen bunter, teils
viel zu großer Oberteile samt Inhalt mit dem obligatorischen Abklatschen. Erst dann rennen sie los. „Die Kiddies“, wie er sie nennt, holen sich die Bälle und laufen kreuz und quer durch die Sporthalle, während ihre Eltern es sich auf der Bank am Spielfeldrand gemütlich machen. Sportschuhe in allen Farben quietschen über den glatten Boden, während Wände und Tore mit Balltreffern übersät werden. Fünf bis zehn Minuten geht das jetzt so. „Und das muss auch so sein, denn sie sollen sich erst einmal austoben“, weiß Laustroer. Die meisten der Kids, so sagt er, kommen gerade aus der Kita und sind vom langen Tag entweder müde oder völlig überdreht. Der Fußballlehrer hatte mich eingeladen, das Kindertraining für die Kleinsten zu besuchen. Denn zu den Bambinis der Vereine zählen sie noch nicht. Die maximal 15 Vier- bis Sechsjährigen, die er hier einmal wöchentlich versammelt, interessieren sich für Fußball und andere Ballsportarten und stehen meist auf den Wartelisten hiesiger Vereine und müssen doch zunächst einmal – warten. Warten, bis sie das sportliche Bambini-Alter erreicht haben, das ab dem siebten Lebensjahr beginnt. Erst dann können sie in den Vereinen trainieren. „Und genau für diese Kiddies biete ich mit der Fußballschule erste Bewegungsspiele an“, so der Trainer. Wie wichtig das ist, erfahre ich in den folgenden 60 Minuten.

 

Total verrückt nach Fußball 

Laustroer geht es dabei um ein pädagogisches und kindgerechtes Training. Und er weiß wovon er spricht, schließlich hat er eine lange Trainerausbildung hinter sich. „Wie einige unsere Kiddies auch, war ich schon als Kind total fußballverrückt“, erzählt er von seinen Anfängen. Spielte er zunächst bei der SVA-Jugend, war er später in der ersten Mannschaft des neu gegründeten FC Gütersloh. Er wechselte zum SC Verl, dann zum SC Paderborn und zur Eintracht Hamm Heessen. Als die ersten aufkeimenden Wehwehchen schlimmer wurden, wechselte er vom aktiven Sportlerleben in den Trainerbereich. Er machte die B-Lizenz im westfälischen Kaiserau und mit der anschließend erworbenen A-Lizenz könnte er heute bis in den Profibereich hinein trainieren. Nach langjähriger Trainertätigkeit im Jugendbereich der Westfalenliga und einiger Seniorenteams, wechselte er ins Jugendleistungszentrum des Rot Weiß Ahlen bevor er wieder zum FC Gütersloh zurückkehrte. Dass er seiner Leidenschaft als aktiver Sportler und heute als Trainer überhaupt und vor allem so intensiv nachgehen kann, verdanke er der Toleranz seiner Arbeitgeber – von damals bis heute. Sie machen es dem gelernten Maschinenbauer möglich, die Jugend neben dem Job zu trainieren. Und auch in der Urlaubszeit ist er oft in Sachen Sport unterwegs: Dann richtet er mit anderen Trainern die Tages- und Wochenevents von Intersport Deutschland aus. „Genau das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich jetzt in Gütersloh und Umgebung eine Fußballschule anbiete.“ Auf dem Programm stehen Tagesevents und Talent-Fördertraining genauso wie Gasttrainertätigkeiten bei Sportevents. Und wie es dann oftmals so ist, führt irgendwann eins zum anderen und bei Uli Laustroer ist es die Leidenschaft, bereits die Kleinsten an Ballspiele heranzuführen. „Damit sie später in den Vereinen über ein gewisses Ballgefühl und Körperbeherrschung verfügen können. Denn genau das ist sehr wichtig“, sagt der Trainer. „Und dafür“, fährt er fort, „muss man nicht mehr trainieren als andere, nur besser.“

 

Voller Elan am Ball

Allmählich wird es ruhiger in der Halle und die Mini-Fußballer versammeln sich um ihren Trainer. Ein kurzer Plausch über die Ereignisse ihres Tagesablaufs klärt schnell, was der Fußballlehrer ihnen heute noch abverlangen kann. Und dann stellt er die Frage der Fragen: „Was machen wir als erstes?“ „Aufwärmen!“ antwortet der Haufen aufgeregt. Dafür beginnt Laustroer mit kleinen Spielen. Die Kinder laufen mit dem Ball am Fuß oder in der Hand und sollen anderen ausweichen ohne zusammenzuprallen. „Dabei geht es um das koordinative Schauen und Laufen, erklärt mir der Trainer. Behutsam fördert und fordert er die Kleinen, immer mit dem nötigen Quäntchen Pädagogik im Blick: „Wenn diese Kiddies in meinen Trainingseinheiten mit den Ballspielen anfangen, ist ihnen das alles ja noch völlig fremd. Sie kommen mit Mama oder Papa und ein wesentlicher Teil der ersten Stunden besteht darin, sie aufzulockern und ihnen den Spaß an der Bewegung zu vermitteln.“ Deshalb, so Laustroer, müsse die Konzentration dieser kleinen Menschen wachgehalten werden; aufkeimende Langeweile sei da fehl am Platz. „Dafür improvisiere ich viel und lasse die Übungen kurz und nicht zu langatmig werden. Ich versuche, jedes einzelne Kind immer wieder neu zu begeistern und wenn ich das erreiche, macht mir das viel Freude.“

 

Woche für Woche ein Schrittchen weiter

Mittlerweile beginnt Laustroer mit einfachen Partnerspielen. Die Kinder stellen sich gegenüber auf und werfen sich einen Ball so zu, dass er einmal auf den Boden tippt und dann gefangen werden soll. Der Sinn dahinter? „Dadurch bekommen sie ein erstes Ballgefühl.“ Wer das Spiel beherrscht, soll im nächsten Schritt in Einzelübungen den Ball hochwerfen und in die Hände klatschen, während das runde Leder auf den Boden auftippt. „Dabei geht es darum, Koordination zu entwickeln und auszubauen“, lerne ich vom Trainer. Genau hier erkenne er die Unterschiede der Fähigkeiten dieser Kinder. „Und das meine ich nicht nur rein fußballerisch. Ich sehe, ob sie schon einmal einen Ball gefangen haben, überhaupt ein Fangspiel kennen oder gar einen Purzelbaum.“ Selbst das in eine Reihe aufstellen um zu warten, bis man dran ist, sei ein großes Stück Training für die Kleinsten – und so lernen sie hier täglich ein bisschen was dazu.

 

Ohne Teamspirit geht’s nicht

Jetzt werden die Übungen auf dem Spielfeld kompakter: Für die Torschüsse sollen all die Messis und Müllers zunächst den Trainer anspielen, loslaufen, einen Purzelbaum auf einer Matte machen, zum Ball laufen und ins Tor schießen. Beweglichkeit und Koordination stehen dabei gemeinsam auf dem Programm. Lewandowski und Co. üben derweil, beim Slalomlaufen einen Einwurf zu machen. „Viele“, so der Trainer, „können im C-Jugendbereich mit zwölf bis 14 Jahren noch nicht einmal einen solchen Einwurf absolvieren. Und genau deshalb ist das, wie wir den Ball hier zuspielen oder werfen, immer auch fußballspezifisch zu betrachten.“ Denn zu guter Letzt diene das alles auch dem Teamspirit, diesem so wichtigen sozialen Aspekt, sich aufeinander verlassen zu können und zu erkennen, dass Gewinnen nur gemeinsam geht. Das sei ja nun mal das A und O bei jeder Art von Teamspielen. Und genau das erfahren diese Kiddies heute in dieser Halle: Ohne die anderen geht es nicht. 

 

Zwei Messis in einem Team

Bevor die Stunde zu Ende geht, teilt der Trainer die Kiddies zum Abschlussspiel in zwei Mannschaften ein. Und verwirrt stelle ich fest, dass sich gleich zwei Messis in der selben Mannschaft befinden. Doch den Teams scheint’s herzlich egal und schon laufen alle Kinder dem Ball hinterher. „Sie sind noch so jung, da kann ich ihnen nicht sagen: Du spielst rechts oder links“, lacht der Trainer, als ich in dem quirligen Haufen bunter Trikots versuche, eine gewisse Ordnung auszumachen. „Du musst sie jetzt einfach ölen lassen. Und genau dann erkennst du auch, dass immer wieder zwei oder drei Kinder dabei sind, die das Spiel etwas besser beherrschen als die anderen – und die sich dann auch durchsetzen. Doch grundsätzlich geht es mir darum, jedem dieser kleinen Kinder den Spaß am Ball zu vermitteln. Denn das ist ganz wichtig: Wir dürfen nie den Spaßfaktor vergessen.“ 

 

Ein Auge für’s Talent

Und damit der nicht verloren geht, teilt der Trainer die Kinder auch schon mal in zwei Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten ein. In der ersten sind dann die Kleinen, die Grundsätzliches am Ballspiel erlernen sollen. In der arauffolgenden Gruppe finden sich diejenigen, die mit dem Ball bereits besser vertraut sind. Dabei erklärt der Trainer noch etwas Wesentliches: „Das liegt entweder am Talent oder an Geschwisterkindern. Man merkt sehr schnell, wer große Geschwister hat. Diese Vier- bis Sechsjährigen bewegen sich schon ganz anders.“ Und darum geht es dann: Wer besser spielt als andere, könne schon mal die Lust verlieren, wenn er mit Schwächeren zusammenspielen soll“, weiß Laustroer. Sieht er also dieses Potential bei gleich mehreren Kindern, steckt er sie allesamt in einen Kurs, um sich gemeinsam weiterentwickeln. 

 

Am Ende sind alle erfolgreich

„Im Grunde genommen“, so der Trainer, „sehe ich bereits nach den ersten Wochen dieser gemeinsamen Trainingseinheiten, wie jedes einzelne Kind vorankommt.“ Zu Anfang müsse man sich erst einmal kennenlernen und besonders die Schüchternen „mitnehmen“. „Ich versuche sie dann zu ermutigen, zumindest bei kleinen, ganz einfachen Übungen mitzumachen.“ Und dann – urplötzlich – zeige sich der Erfolg. „Wenn ich erkenne, wie sich all diese Kinder mit der Zeit entwickelt haben, sind das schon besondere Glücksmomente für mich.“ Auch deshalb schaue er sich später noch, wenn „seine Kiddies“ schon längst in den Vereinen trainieren, das eine oder andere Spiel von ihnen an. „Dann sehe ich, was aus diesen kleinen Menschen geworden ist und sage: Guck mal, die haben damals bei dir angefangen.“

 

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