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Foto: Jens Dünhölter

Multikulti-Truppe

Für die meisten Verantwortlichen der Fußball-Kreisliga A steht fest:  Bei einer kürzlich veröffentlichen Umfrage kürten neun von 18 Trainern/Sportlichen Leitern Türkgücü Gütersloh zum absoluten Top-Titelkandidaten der Saison 2018/2019 für den Aufstieg in die Bezirksliga. Mit dem Selbstvertrauen und der Erfahrung einer langen aktiven Karriere im Profi-Fußball führt Trainer Soner Dayangan (39), Verantwortlicher Chefcoach, das deutliche Votum mit fast schon lakonischer Gelassenheit auf mehrere Umstände zurück: „Wir spielen attraktiven Fußball, haben ein gutes Team, tolle Neuzugänge und eine Top-Vorbereitung absolviert, bei der wir unter anderem den Bezirkligisten FSC Rheda 5:0 besiegt haben. Alle anderen Vereine wissen sehr genau, was wir drauf haben.“ 

Sollte dem nur 100 Mitglieder großen Verein, der von seinem Trainerteam um Motivator Soner Dayangan und den Co-Trainern Tayfun Tayanc/Cihan Yildirim offen angestrebte Sprung gelingen, wäre es nichts anderes als der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Bislang steht dort als Titel der Sieg bei der Hallen-Fußball-Stadtmeisterschaft 1996. 

Seit der Vereinsgründung 1976 pendelt die 1. Mannschaft als Aushängeschild des 1974 gegründeten Türkisch-Deutschen Kulturvereins, so das Schild über dem zentralen Vereinstreffpunkt an der Diekstraße, mehrfach zwischen der Kreisliga B und der Kreisliga A hin und her. Erst in der Serie 2016/2017 gelang der „Türkischen Kraft“ (deutsche Übersetzung des Begriffs Türkgücü) der Doppelaufstieg. Zeitgleich stiegen die 2. Mannschaft in die B-Liga und die Erste wieder in die A-Liga auf. Jetzt soll laut eigener Zielsetzung der nächste Schritt folgen. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, wurde der Kern des B-Liga-Meisterteams mit erfahrenen Spielern verstärkt. Gerade in diesem Punkt hatte Sportvorstand Dursun Cetin entscheidende Mosaiksteinchen erkannt: „Speziell in dem mit 0:2 verlorenen entscheidenden Rückrundenspiel vor 1.000 Zuschauern bei den Aramäern Gütersloh fehlten mir einfach Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit.“ Trainer Soner Dayangan lässt dieses Argument zwar nicht gelten, nichtsdestotrotz wurde der am Ende sieben Punkte hinter dem Meister GTV als ehrenwerter Rangdritter eingelaufene Aufsteiger gezielt verstärkt. Mit Torhüter Christopher Siekaup (Bezirksligist SV Avenwedde), Mittelfeldmotor Ersin Gül (Türksport Bielefeld, Bezirksliga) sowie Torgarant Mamadou Diabang (TuS Tengern, Landesliga) wurden gleich drei neue Achsenspieler an den Kamphof gelockt. Besonders der Königs-Wechsel des 1,80 Meter großen Mittelstürmers Mamadou „Momo“ Diabang (39 Jahre, Ex-Profi von Arminia Bielefeld, VfL Bochum und Rapid Wien; 69 Spiele 1. Liga, 100 Spiele 2. Liga, 47 x 1. Liga Österreich) sorgte für extreme Furore. Soner Dayangan: „Momo ist ein guter Freund von mir, wir sind immer in Kontakt geblieben.“ Bereits in den Testspielen und der Auftakt-Partie stellte der achtfache senegalesische Nationalspieler die erhoffte Treffersicherheit unter Beweis. Soner Dayangan: „Momo ist im Strafraum abgezockt. Der macht die Dinger aus vier, fünf Metern locker rein.“ Genau das, moniert der Coach nachträglich, habe „in der vergangenen Saison maßgeblich gefehlt. Wir haben zwar 92 Tore erzielt, hätten aber 110 oder 120 schießen müssen.“  Den viel wichtigeren Grund für das letztendlich knappe Abschneiden hinter dem GTV und dem Zweiten Aramäer Gütersloh sieht der Coach in Disziplinlosigkeiten in Form von Sperren auslösenden, unnötigen Gelben Karten. Soner Dayangan: „Die spielerische Qualität ist da. Dass die Jungs kicken können, weiß jeder. Leider halten sich bei den Spielen nicht alle an das, was in der Kabine besprochen wird. Wir predigen Ruhe und Geduld, aber die Euphorie trägt sie zu weit nach vorne. Wenn etwas nicht klappt, werden sie sauer und kriegen Gelb. Der Grund, warum wir es nicht geschafft haben, war die oftmals fehlende Disziplin.“ Wegen Verletzungen, Sperren habe man die komplette Serie im Prinzip mit 14, 15 Spielern bestreiten müssen. Soner Dayan-
gan: „Das war zu wenig. Deshalb haben wir den Kader auch in der Breite verstärkt.“ Einher geht damit eine vom 1. Vorsitzenden Durak Ünlü und seinen Vorstandskollegen höchst willkommene weitere Internationalisierung der Multi-Kulti-Truppe. Gegründet „damit die Gastarbeiter sich treffen und ein bisschen kicken können", so der 2. Vorsitzende Dursun Cetin, hat sich Türkgücü im Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung sowie als Beispiel für gelungene Integration längst zur Heimat für Fußballer aus der Türkei, dem Senegal, dem Kongo, Libanon, Bosnien, von Aramäern und Deutschen entwickelt. Ihre Internationalität, ihren Gemeinschaftssinn, aber auch ihre leckeren Spezialitäten aus der Heimat wie Köfte, Döner, Efes-Bier präsentiert der Türkisch Deutsche Kulturverein auch alle Jahre wieder beim internationalsten aller Gütersloher Feste - bei „Gütersloh International“. Co-Trainer Tayfun Tayanc stellt stellvertretend für den Vorstand und alle Mitglieder fest: „Unser Ziel war nie, einen rein türkischen Verein zu haben. Bei uns ist jeder willkommen. Es gibt bei uns weder Unterschiede noch Vorbehalte zwischen Rassen, Religionen, Hautfarben oder Kulturen. Jeder wird herzlich aufgenommen.“ Doch zurück zum eigentlichen Thema Fußball. Wie das Gros der Südländer sind auch die Fans, Anhänger, Spieler sowie das Trainerteam der „türkischen Kraft“ bei den Spielen mit vollem Herzen und einhundertprozentiger Leidenschaft bei der Sache. Noch mehr gilt dies, seit mit dem 359-fachen Regionalliga-, Oberliga- NRW-Liga-Spieler Soner Dayangan ein erfahrener Ex-Profi zu Serienbeginn 2017/2018 die Verantwortung an der Seitenlinie übernommen hat. Vor seiner ersten Trainerstation hatte „Soni“, wie er nur kurz gerufen wird, seinen neuen Verein gründlich unter die Lupe genommen. „Ich habe die Mannschaft ein halbes Jahr bei den Spielen beobachtet“, lässt der treffsichere ehemalige Verler und Wiedenbrücker Publikumsliebling seine Überlegungen Revue passieren. Anschließend war er sich sicher: „Meine Spielidee ist: offensiv nach vorne. Ich war Stürmer, meine Mannschaft soll Tore schießen. Hier waren die Spieler vorhanden mit denen ich arbeiten wollte, die man wie einen Murat Genc noch weiter entwickeln kann.“ Ein Jahr später hat er seinen Entschluss nicht eine Sekunde bereut: „Die Spieler sind unglaublich talentiert, haben sich binnen eines Jahres auch taktisch sehr viel weiter entwickelt.“ Weil auch die Verantwortlichen mit dem Erreichen des Hauptzieles, junge Talente auf dem Weg nach oben zu fördern, bestens zufrieden waren, wurde der im Sommer 2017 geschlossene Ein-Jahres-Vertrag bereits im Winter 2018 bis Ende der Spielzeit 2018/2019 verlängert. Der mittlerweile vom langjährigen Sportlichen Leiter zum Co Trainer gewechselte Tayfun Tayanc: „Der Trainer ist ausschlaggebend dafür, wie sich ein Verein entwickelt. Soni hat die Jungs auf ein anderes Niveau gehoben und unseren Spielstil weiterentwickelt.“ Wie es in der Liaison zwischen dem so ehrgeizigen Verantwortlichen und der auf dem Platz meist im ICE-Tempo anstürmenden, neu entfesselten „türkischen Kraft“ weitergeht, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten entscheiden.

 

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