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Auf Schatzsuche zum „Loch Ness“ von Avenwedde: (v.l.n.r.) ausgerüstet mit kostenlosen GPS-Geräten von der Stadt Gütersloh sind Ray, Jana, Lina und Jan voll bei der Sache und dem versteckten Cache auf der Spur. Foto: Kathrin Groth

51°54’47.53“N 8°26’06.74“O

Sommer, Ferien – und jetzt? Gehen wir auf Schatzsuche! Seit Jahren bieten die Gütersloher Ferienspiele ein prall gefülltes Angebot für Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren. Es gibt Sportveranstaltungen, Malprojekte oder gemeinsame Tagesreisen. Die insgesamt mehr als 80 Angebote werden durch die Miele-Stiftung, Gütersloher Einrichtungen und Vereine, aber auch den Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt Gütersloh finanziert und sind für die Kinder größtenteils kostenlos. Darüber hinaus gibt es aber immer auch Angebote ohne Anmeldungen, die sogar ganz spontan genutzt werden können. Sie alle stehen ausführlich beschrieben in der aktuellen Broschüre der Gütersloher Ferienspiele. Bereits im vergangenen Jahr habe ich eine Reitschule besucht, um mir ein Bild von den Aktivitäten für Kinder zu machen. Auch in diesem Jahr möchte ich gerne wieder Mädchen und Jungen bei den Ferienspielen begleiten und habe mich für den Geocaching-Kurs entschieden. An drei Tagen, jeweils von 9.30 bis 12.30 Uhr, geht Peter Liman vom Fachbereich Familie und Soziales, mit den Kindern nicht einfach nur auf diese moderne Form der Schatzsuche, sondern zeigt ihnen, wie sie selbst ihre Schätze anlegen können. „Früher machte man eine Schatzsuche mit Sägemehl“, lacht er zur Begrüßung, „heute nutzen wir das GPS.“ 

 

Bei 51°54’47.53“N 8°26’06.74“O geht’s los

„Wir zeigen Mädchen und Jungen zwischen zehn und dreizehn Jahren zunächst einmal, was Geocaching eigentlich ist“, erklärt Projektleiter Peter Liman, der dabei von seinem Sohn Florian unterstützt wird. „Wir suchen gemeinsam einen versteckten Cache in der näheren Umgebung und werden später selbst einen Multi-Cache mit mehreren Standpunkten anlegen“, erklärt er seinen Plan für die kommenden drei Tage. Es ist Montag und 51°54’47.53“N 8°26’06.74“O lauten die geographischen Koordinaten, an denen ich mich gerade befinde. Sie bezeichnen den Thomas-Plassmann-Weg in Avenwedde. Hier steht das Don Bosco Jugendhaus mit der Kapellenschule, in der sich jetzt vier Kinder versammeln. Die 10-jähirge Jana ist genauso mit dabei, wie Lina, elf Jahre, Jan, zehn Jahre und der gleichaltrige Ray.

 

Zigtausende von Caches

Wir nehmen in einem Klassenraum Platz und wollen beginnen. Doch schon tut sich die erste Hürde auf: Das Internet schwächelt. Um zu erklären, was es mit dem Geocaching auf sich hat, möchte Liman den Kindern zunächst einmal die Internetseite vorstellen, auf der sich all die Caches tummeln. Es gibt Zigtausende von ihnen, mehrere Hundert allein in Gütersloh. Liman selbst war an etlichen beteiligt, betreut er doch jährlich eine Kindergruppe und legt mit ihnen verborgene Schätze an, die andere finden müssen. Das Jugendhaus verschafft uns einen WLAN-Zugang und endlich finden wir den virtuellen Weg zum weltweiten Paradies aller Cachesucher: www.geocaching.com nennt sich die Seite. Liman erklärt den Sinn: Jeder, der irgendwo auf der Welt einen Cache versteckt, gibt ihn hier ein. Geocaching wird auch gerne GPS-Schnitzeljagd genannt, und es ist also die moderne Variante der Schatzsuche. Die Verstecke werden im englischen Caches genannt und auf der Internetseite in Form von geographischen Koordinaten veröffentlicht. Wer einen GPS-Empfänger besitzt, kann sich auf die Suche begeben und die Schätze orten. „In Gütersloh erhält man die Geräte als kostenlose Leihgabe bei der Stadt“, erklärt Peter Liman. Doch auch mit sehr guten Landkarten lassen sich die Verstecke finden. Und ja, wenn die Internetverbindung stabil ist, können Fundstücke selbst mit dem Handy aufgespürt werden. 

 

Was ist ein Schatz?

Der Cache selbst ist der Schatz. Er ist üblicherweise ein witterungsbeständiger Behälter, der ein Logbuch für einen Eintrag des Finders enthält und kleine Gegenstände. Auch Fragen oder Aufgaben können sich darin befinden, um die Finder so zum Standort eines nächsten Caches zu führen. „Bei der Anlage von mehreren Verstecken sprechen wir von einem Multi-Cache“, erklärt Peter Liman. Bald schon ist es an der Zeit, die Umgebung des Jugendhauses zu erkunden und die Kinder stellen erste aufgeregte Überlegungen an, wie der fast 5-Kilometer lange spätere Rundgang aussehen könnte, und welche Bäume, Zäune oder anderen auffälligen Gegenstände sich für ein Versteck eignen. Das Tor eines Hauses? Ein Brunnen auf einem privaten Gelände? „Keine Chance“, erklärt Liman den Kindern. „Beim Geocaching dürfen die Verstecke nur auf öffentlichem Gelände gemacht werden.“ Sie dürfen nichts gewaltverherrlichendes oder pornografisches enthalten und natürlich keine verderblichen Gegenstände wie Lebensmittel. Auch auf mögliche Gefährdungen für die Sucher muss geachtet werden. Baufällige Gebäudeteile oder unzugängliche Wege sind tabu. Wir entdecken einen kleinen, versteckten Weg und mithilfe des Leiters haben die Kinder die Plätze für die Verstecke ausfindig gemacht. Eifrig werden die Koordinaten über die GPS-Geräte gesucht und in eine Liste eingetragen. Es ist ein heißer Tag und längst Mittag, als wir, umzingelt von Bienen, Hummeln, Mücken und Schmetterlingen, das Jugendhaus wieder erreichen und uns für den nächsten Tag verabreden. 

 

Schatzsuche am Loch Ness

Der Dienstag startet mit einer Schatzsuche. Um selbst zu erfahren, was es heißt, einen Cache zu suchen, machen sich die Kinder heute auf zum hiesigen Loch Ness. Die Koordinaten finden wir auf der Inter-
netseite. „Dieser kleine Tradi liegt direkt am Avenwedder See und ist bei schönen Wetter mit einem kleinen Spaziergang zu verbinden“, beschreibt jemand namens „Rugbyrunner“, der den Cache versteckte. Bereits 280 Mal wurde das gute Stück gefunden und wieder ordentlich verstaut. „Bitte achtet auf die Fauna und Flora“, lesen wir weiter. „Es muss nichts abgeschraubt oder auseinandergenommen werden. Zurzeit liegt ein kleiner Petling dort, mit der Hoffnung gefunden zu werden. Bitte tarnt ihn wieder, sodass kein Muggel ihn zu leicht finden kann und bitte auch nicht besser verstecken. Danke.“ „Hier hat jemand 

eine sehr gute Beschreibung abgegeben, noch dazu darauf hingewiesen, auf die Natur zu achten“, erklärt Peter Liman. Später wird er den Kindern noch zeigen, wie sie selbst einen Cache im Internet anlegen können. Am See angelangt, suchen die Kinder den Schatz und werden fündig. Spätestens jetzt wollen sie alle nur noch eins: eigene Caches verstecken! Auf geht’s!

 

Wie heißt die Queen?

„Ihr seid jetzt die Lehrer und versucht für die Schatzsucher die richtigen Fragen zu finden. Seid kreativ“, fordert Liman die Kinder auf. Und das sind sie! Hefte und Stifte werden ausgepackt, denn nur ein Cache kommt für Jana, Lina, Jan und Ray nicht in frage. Sie wollen auf ihrem Rundgang viele Punkte anlegen, gespickt mit Zetteln in wasserfesten Behältern, die mit zu lösenden Aufgaben versehen sind. Sie führen jeweils zu Berechnungen, aus deren Zahlenfolge sich die Koordinate für das nächste Versteck ergeben. Ganze elf Punkte haben sie sich ausgedacht und erst am Ende winkt dem Finder die eigentliche Schatzdose. „Wie heißt die Queen von England?“ lautet eine der Multiple Choice-Fragen. „Kate, Meghan, Mary oder Elisabeth“ stehen zur Antwort bereit. Jede von ihnen ist mit einer Zahl oder einem Buchstaben versehen, doch nur die richtige Antwort führt zur gesuchten Zahlen- und Buchstabenkolonne. Und wieder ist der Vormittag wie im Flug vorübergezogen und quirlige Kinder verstauen ihre sieben Sachen in Beuteln und verabschieden sich. Mit im Gepäck haben sie heute eine Hausaufgabe: Sie sollen zu Hause Materialien finden, die sich gut verstecken lassen und zu den Aufgaben gelegt werden können. 


Auf jeden Fall wieder

Heute ist es soweit! Es ist der letzte Tag des Kurses und der ausgesuchte Weg wird am Ende mit Caches gespickt sein. Im Klassenraum gehen die Kinder nun jeden einzelnen Fundort durch und bereiten die entsprechenden Aufgaben vor. Die Ergebnisse ihrer Rechnungen führen zu den Koordinaten des nächsten Verstecks. Die meisten Zettel werden gegen die Witterung laminiert oder in kleine Röhrchen geschoben. Ein Puzzle muss zusammengesetzt werden, darauf notiert Lina in dicken schwarzen Lettern die Zahlen der nächsten Koordinate. Die Fragen werden notiert und mit den entsprechenden Zahlen versehen. Es dauert eine Weile, aber dann ist alles vorbereitet. Wir gehen den gesamten Weg rückwärts ab, kontrollieren nochmals die Koordinaten und verstecken Cache für Cache. Einige von ihnen sind real, die anderen Standpunkte, an denen virtuell Aufgaben den Weg zeigen. Fragen über Fragen fluten ihre geheimen Verstecke: „Zähle die gedruckten Zeilen, wie viele Buchstaben hat das letzte Wort oder zähle die Anzahl der Umlaute, bis hin zu zähle die Rechtschreibfehler im Text“, lauten die erdachten Fragen der vier. „Wer ist Helene Fischer oder wie heißt Harry Potters Schule, lauten weitere Multiple-Choice-Fragen. Pünktlich um 12:30 Uhr stehen müde, aber überglückliche Kinder vor dem Jugendhaus. Ob sie später wieder einmal auf Geocaching-Tour gehen möchten, frage ich sie zum Abschluss und ernte ein lautes und vierfaches „Ja!“.  

 

Und abends ins 51°53’18.37“N 8°25’00.31“O

Nach Spexard, Kattenstroth, Avenwedde Bahnhof und dem Bürgerzentrum Blankenhagen fand jetzt im Don Bosco Jugendhaus der fünfte Kurs statt, den Peter Liman bei den Ferienspielen begleitete. „Geocaching verbindet Menschen mit einem gemeinsamen Ziel“, sagt er, und es eigne sich damit auch perfekt für Familien zur Ferienzeit. „Einfach mal Geräte ausleihen und los geht’s“, empfiehlt er. Peter Liman ist ein leidenschaftlicher Geocacher und deshalb reicht ihm ein Kurs im Jahr natürlich nicht aus! Er hat mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut: „Ich habe einen Stammtisch für Geocacher ins Leben gerufen, erklärt er. Jeden zweiten Donnerstag treffen sie sich. Wo? Nun, ganz einfach hier: 51°53’18.37“N 8°25’00.31“O. 

 
 

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