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Was für ein Erlebnis! Was für tolle und fröhliche Kinder! Noch heute bewegt André Quakernack (l.) und Marco Diekmann (r.) die Begegnung mit den Grundschulkindern. „Das war schon sehr emotional“, sagen sie. Foto: Privat.

Eine Schule für Afrika

Sie bauen Schulen in Afrika. Die erste weihten sie gerade im Januar in Benin ein, einem französischsprachigen Staat in Westafrika, dessen Region zu den ärmsten dieses Planeten zählt. Togo, Burkina Faso, Niger und Nigeria sind seine Nachbarländer, und die Küste verläuft im Süden am Golf von Guinea und der Bucht von Benin entlang. Die Schule selbst befindet sich in dem Dorf Sahé, irgendwo im Nirgendwo und etwa 120 Kilometer entfernt von dem Regierungssitz Cotonou, wo sie erstmals zentralafrikanischen Boden betraten. Und genau dort besuchten sie die 330 Schulkinder, die bereits auf sie warteten. Die Rede ist von André Quakernack und Marco Diekmann, die ich an einem Nachmittag im März in Gütersloh treffe. Und während sie reden, nehmen sie mich mit auf ihre Reise durch ein Land, dessen Menschen sie nachhaltig beeindruckten.


Tue Gutes und rede drüber

„Es ist nicht unsere Intention, uns mit diesem Engagement in den Mittelpunkt zu drängen. Doch nur wenn wir darüber reden, können wir mehr für dieses afrikanische Land und seine Gesellschaft erreichen. Wir wünschen uns, dass unsere Idee gefällt und Menschen uns helfen, weitere Schulen zu bauen. So geben wir Kindern eine gute Basis für ein besseres Leben in ihrem eigenen Land“, beginnt André Quakernack das Gespräch. Mit ihm fing eigentlich alles an. 2016 lernte er die Mitglieder des Vereins Bürgerkomitee Steinhagen kennen, der sich vorrangig für Projekte rund um das Thema „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Afrika engagiert. Gerne wollte der 46-Jährige bei einem der Projekte mitwirken. Und Schule, so sagt er, sei für ihn als Vater von drei Kindern natürlich eine wichtige Sache. „Der Verein ist sehr gut vernetzt, und seine Mitglieder sorgen dafür, dass auch wirklich jeder Cent dort ankommt“, erklärt er begeistert. Dann ging eigentlich alles ganz schnell: Sein Bruder und er stifteten das Geld zum Bau einer Schule für 330 Kinder zwischen 9 und 16 Jahren. 

 

Der Weg zur Selbsthilfe

Neue Schulgebäude wie diese entstehen an bereits existierenden Standorten. Denn die Schulklassen in den Dörfern sind meist nur durch Schilfrohr begrenzt und verfügen, wenn überhaupt, über ein Dach aus Wellblech. Und manchmal stehen die Schulbänke einfach nur unter Palmen. „Diese provisorischen Bauten sind den Wetterkapriolen der Regenzeit bedingungslos ausgesetzt – und es kommt oft vor, dass sie ihnen zum Opfer fallen“, so Quakernack. Jetzt konnten allein mit seinem Beitrag in Sahé drei Schulräume und ein Lehrerzimmer aus Ziegelsteinen errichtet werden. Sie erhielten eine feste Dachkonstruktion und sanitäre Anlagen für alle Kinder.

„Ein Engagement wie dieses steht unter dem Motto ‚Hilfe zur Selbsthilfe’“, erklären die beiden Unternehmer. Dorf-Chef, Schulleiter und Bürgermeister müssen dem Projekt zunächst zustimmen. Anschließend verpflichtet sich die gesamte Dorfgemeinschaft dazu, gemeinsam beim Bau zu helfen. Unter der Aufsicht eines Bauleiters richten sie den Bauplatz her, heben das Fundament aus, brennen die Ziegel und erledigen nötige Tischlerarbeiten. Bauarbeiter aus dem Umland erhalten im Dorf Schlafplätze und werden verköstigt. Das gestiftete Geld wird ausschließlich zum Bau der Schule verwendet und direkt vor Ort verwaltet. Dafür haben Quakernack und Diekmann Professor Mensah Tokponto mit ins Boot geholt. Der 50-jährige Germanistikprofessor studierte in Bielefeld Germanistik, ist verheiratet und hat vier Kinder. Er unterrichtet an der Universität in Cotonou und begleitet die Bauarbeiten ehrenamtlich. „Neben seiner eigentlichen Tätigkeit ist er oftmals vor Ort, besorgt das Baumaterial, hält die Gelder zusammen und sorgt dafür, dass die einzelnen Gewerke gut und zügig zusammenarbeiten. Für seinen Einsatz erhält er allerdings nicht einen einzigen Cent.“

 

Überwältigende Erlebnisse

Als der Bau fertig war, wollten die Spender die Schule besuchen. Natürlich auf eigene Kosten. Und da kam Marco Diekmann ins Spiel: Als bester Freund wusste der 41-Jährige um jede Phase des Projektes Bescheid und wollte ebenfalls helfen. So planten sie ihre gemeinsame Reise in ein völlig unbekanntes Land. „Meine Erwartungen wurden komplett über den Haufen geworfen, denn ich habe noch nie so herzliche, ehrliche, offene und letztendlich auch glückliche Menschen getroffen“, erklärt der Gütersloher bewegt. Quakernack ergänzt: „Wir waren erschüttert und überwältigt zugleich von der einfachen und bescheidenen Lebensweise, die wir sahen.“ So legten sie die mitgeführte Kamera oftmals beschämt zur Seite, zu trostlos waren die Lebensumstände, die sie an vielen Orten vorfanden. Doch die Bilder davon behielten sie im Kopf. „Die Bevölkerung“, erklären beide, „erhält keinerlei finanzielle Leistungen vom Staat oder gar eine Krankenversicherung – und das bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 30 Euro, sofern man überhaupt Arbeit findet.“ Denn die Arbeitslosenquote liegt bei 70 Prozent. So lasse sich vielleicht erahnen, wie es sich in Benin leben mag.


Willkommen in einer anderen Welt

Sie flogen von Frankfurt über Tunis nach Cotonou. Professor Mensah holte sie vom Flughafen ab, und bereits am nächsten Tag fuhren die drei mit dem Jeep 120 Kilometer landeinwärts. Irgendwann wurde aus der asphaltierten Straße eine staubige Piste und sie waren noch lange nicht am Ziel. „Ehrlicherweise war ich zunächst ganz schön voreingenommen“, so Diekmann. Wochen zuvor las er die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das nördliche Benin, denn im angrenzenden Nigeria sind die Terrormilizen der Boko Haram aktiv. Grenzüberschreitende Aktivitäten waren also nicht auszuschließen. „Und ich dachte: ach, du Schreck!“ Den nächsten Dämpfer bekam er vom Tropenmediziner: „Wir mussten viele Impfungen über uns ergehen lassen, von der Malariaprofilaxe bis hin zu Hepatitis-Impfungen oder einer weiteren gegen Tollwut“, erzählt er. „Und als man uns dann noch erklärte, dass einem nach dem Biss von einem tollwütigen Tier gerade noch 36 Stunden bliebe, habe ich mich schon gefragt, warum ich mir das antue.“ So planten sie, die Reise so kurz wie möglich zu halten. Fünf Tage hatten sie vorgesehen. Doch als sie dort waren, war alles vergessen. „Allein die wunderbare Betreuung durch Mensah war unvorstellbar.“ Natürlich waren sie in der Zeit auch bei seiner Familie zu Gast und waren überwältigt von der Gastfreundschaft seiner Familie und der gesamten Dorfgemeinschaft. 


Alles steht Kopf

Auf ihrer langen Fahrt nach Sahé lag auch eine Grundschule, die sie sich anschauen wollten – und wieder waren sie überwältigt. Voller überschwänglicher Freude, die Fremden zu sehen, kamen die Kleinen zur Begrüßung auf sie zugestürmt. Nur Sekunden später standen die Gütersloher mittendrin in einer überglücklichen Kinderschar. „Da mussten wir teilweise sehr schwer schlucken, denn das ging uns wirklich nah.“ Irgendwann später dann war es endlich soweit: Sie waren in Sahé. Und zum ersten Mal sahen sie, was mit André Quakernacks Geld auf die Beine gestellt wurde: Das neue Schulgebäude leuchtet in strahlenden Farben. Die Mauern stehen auf einem festen Fundament, hoch genug, um das Wasser in der Regenzeit fernzuhalten. Das Haus beherbergt drei große Klassenräume, ein Lehrerzimmer, einen überdachten Laubengang und sanitäre Anlagen. Und wieder sehen die Gütersloher in strahlende Kinderaugen. Es sind die Schüler, die aus der gesamten Region täglich hierher strömen. Dafür nehmen manche von ihnen auch einen zweistündigen Fußmarsch in Kauf – sowohl hin als auch zurück. Um allen 330 Kindern einen Unterricht zu ermöglichen, werden sie, wie in dieser Region üblich, Tag für Tag im Schichtbetrieb unterrichtet. 

 

Kleine Paten für große Bänke

Und wieder kamen alle Menschen zusammen, um sie zu begrüßen. Doch nicht nur das: Ganz Sahé hatte zum Dank eine Zeremonie für den Spender vorbereitet. Zwei Stunden dauerte sie. Irgendwann später präsentierten die Kinder voller Stolz ihre neuen Unterrichtsräume. Lachend zeigten sie auf die neuen Schultische. „Leni“ steht dort in dicken weißen Lettern geschrieben, „Antonia“ und „Annie“ auf anderen. Es sind die neuen Schultische und -bänke, für deren Finanzierung die Gütersloher ein ganz neues Konzept entwickelt hatten: „Anhand des Projektes versucht der Professor auch, den Menschen vor Ort Arbeit zu verschaffen. So wurden auch die benötigten Schultische und -bänke von einem Tischler aus dem Dorf hergestellt. Doch deren Finanzierung sollte nicht über die Baukosten abgewickelt werden. Deshalb bieten die Gütersloher jetzt Patenschaften für jede einzelne neue Bank an. Ist sie fertig, wird sie mit dem Namen des Spenders versehen. „Marcos und meine Kinder haben zum Beispiel ihr Taschengeld geopfert, um die Bänke zu bezahlen.“ Und so sind es ihre Namen, die jedes der Schulkinder mittlerweile kennt.

 

Jammern hilft nichts

Bevor die Gütersloher zurückflogen, sahen sie sich noch ihr neues Projekt an, das sie gemeinsam finanzieren. In Dovota, 30 Kilometer von Sahé entfernt, wird jetzt eine Schule aus Schilfrohren und Wellblech durch ein neues Gebäude ersetzt. Bereits im Mai wird sie fertig sein und im kommenden Jahr werden sie zurückkehren, um sich das Ergebnis anzusehen. „Wie krass dieses Land ist, wurde uns auf dem Rückflug bewusst, als wir all die Länder noch einmal überflogen,“ sagen beide. Das winzige Europa bekam auf einmal eine ganz andere Bedeutung: Trotz all der politischen und sozialen Grabenkämpfe biete es all die Annehmlichkeiten eines bequemen Lebens, das für einen Menschen im Benin unvorstellbar sei. „Wir haben viele frustrierende Dinge gesehen, von denen sich niemand hier eine Vorstellung machen kann. So viel Leid und so viel Armut ist schwer fassbar.“ Doch Jammern hilft nichts, sagen sie. „Wir sehen es jetzt als unseren Auftrag an, zu helfen. Und wer Lust hat, sich dort ebenfalls zu engagieren, kann uns gerne ansprechen.“

 



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Kommentare zu diesem Beitrag:
05.04.2018 - Heike Kunter
André Quakernack und Marco Diekmann sind mit vollem Herzen dabei: Der erste Schulbau in Sahé steht, der zweite in Dovota bekommt in wenigen Tagen das übliche Wellblechdach und für den dritten Bau in 2019 sind schon die ersten Spenden eingegangen.
Mit ihrer Hilfe kann das Bürgerkomitee den eigenen Einsatz für Bildung und Ausbildung in dem armen, sich entwickelnden Land Benin in Westafrika verstärken. Mit Freude ergänzen wir die Schulbauten außerdem um die notwendigen, aber häufig fehlenden Latrinen. Über die beiden Gebäude freut sich das ganze Dorf.
Hut ab vor dem Engagement und der selbstlosen Hilfe dieser beiden "tollen Jungs".