RSS Feed   |   Kontakt   |   Impressum | Datenschutz

Achtung! Diese Seite verwendet Cookies.

Wenn Sie keine Cookies verwenden wollen, ändern Sie bitte die Einstellung in Ihrem Browser.


Hoffnungen, Triumphe und Skandale

Vom Aufstieg und Fall des FC Gütersloh – das Ende einer großen Fußballtradition

Gut gekickt wurde in Gütersloh schon vor dem Ersten Weltkrieg. Damals konkurrierten in dem knapp 10.000 Einwohner zählenden Städtchen allein sechs Fußball-Vereine. Eine unglaubliche Zahl. Schon vor der Fusion der beiden Vereine SVA und DJK zum FC Gütersloh gab es den Zusammenschluss der Vereine Einigkeit, VfB und Germania zur Sportvereinigung Gütersloh von 1918 – quasi die Fusion vor der Fusion. Fußball hat also eine große Tradition in dieser Stadt. Deshalb möchten wir die aufregendste Zeit des heimischen Fußball noch einmal Revue passieren lassen. In unserer großen Serie über den Aufstieg und Fall des FC Gütersloh beleuchtet GT-INFO die rasante sportliche Entwicklung des Fusionsvereins FC Gütersloh, der 1978 mit großen sportlichen Erwartungen startete, zu ungewöhnlichen sportlichen Höhenflügen ansetzte und als FC Gütersloh 2000 im Fußball-Nirwana endete.


Ging als 1. Vorsitzender in die Geschichte des FC Gütersloh ein: Rainer Schils, der Gütersloher Jurist, wurde in der Gründungsversammlung gewählt.

Rückblende: Freitag, 12. Mai 1978 Nach fünfjährigen Verhandlungsbemühungen zwischen den beiden Vereinen DJK und SVA Gütersloh fand an jenem denkwürdigen Abend, um 20 Uhr, die Gründungsversammlung im Katholischen Vereinshaus, dem heutigen Brauhaus, statt. Der „Fußballclub Gütersloh von 1978“ wurde aus der Taufe gehoben, die Fusion zwischen den Fußball-Abteilungen der beiden Lokalrivalen war damit perfekt. „Unerwartet groß war das Interesse am Freitagabend an der Gründungsversammlung im Katholischen Vereinshaus: rund 500 Gütersloher bildeten die Gründungsversammlung. Mit ihnen verfügt der FC Gütersloh bereits jetzt über einen soliden Mitgliedersockel, der die in der Planung zur Grundlage gemachte Zahl von 800 Mitgliedern durchaus realis­tisch erscheinen lässt“, so der damalige Sportredakteur Lutz Rattay in der Tageszeitung „Neue Westfälische“. 1977 wurde von den beiden verhandelnden Vereinen ein Fusionsausschuss gebildet, wobei in der „heißen“ Phase der Vorbereitungen auch Vertreter der Stadtverwaltung Gütersloh und Sparkasse, früher noch Stadtsparkasse, beteiligt worden waren. Der Durchbruch zur Fusion gelang durch Beschluss des Rates der Stadt Gütersloh, die Einnahmen aus der Stadion-Bandenwerbung auch zukünftig dem Fußball zur Verfügung zu stellen, „und zwar zur langfristigen Abdeckung eines wesentlichen Teils der bei den Clubs SVA und DJK entstandenen Verbindlichkeiten“, hieß es im Sonderheft zur Saisonbilanz 1978/1979. Zum 1. Vorsitzenden wurde der zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannte Jurist Rainer Schils gewählt. Der 34-jährige Rechtsanwalt sah sich mit vielen Fragen und Problemen konfrontiert. „Würde es gelingen, aus den beiden vorhandenen Mannschaften ein neues Team zu formen? Ein Team, das mit Aussicht auf Erfolg am Start der neuen Amateur-Oberliga teilnehmen könnte? Denn eines war damals völlig klar: Für den Beginn des FCG würde vor allem die Leistung der Oberliga-Mannschaft entscheidend sein; sie musste versuchen, mit gutem Fußball die Zuschauer in den Heidewald zurückzuholen. (...) Neben diesen grundsätzlichen Problemen gab es eine Fülle von Einzelfragen, wie zum Beispiel Zahl und Betreuung der Seniorenmannschaften, der Jugendmannschaften usw.“, so der Kommentar im Sonderheft zur ersten Saison. Einen zweiten Vorsitzenden gab es nicht. Unterstützt wurde Rainer Schils von den beiden ehemaligen Vorsitzenden der beiden Stammvereine, Dr. Ernst Altenpohl (SVA) und Dr. August Pötter (DJK). Sie standen dem jungen und in Gütersloh zunächst relativ unbekannten Juristen zur Seite und fungierten als gleichberechtigte Stellvertreter. Schils bezeichnete sich selbst nicht als Fußballfachmann. „Das ist ihre Sache“, meinte er zu Trainer Fritz Grösche auf der Gründungsversammlung.

Sportlich lief es gleich im ersten Meisterschaftsspiel perfekt, der junge FC Gütersloh unter der sportlichen Leitung von Trainer Fritz Grösche besiegte zum Start in die neu geschaffene Amateur-Oberliga Westfalen den SV Ahlen mit 7:3. Ein furioser Auftakt, der sich schon nach dem Auftaktspiel gegen Schalke 04 mit seinen Nationalspielern Fischer, Abramczik und Rüßmann andeutete. Im ersten Spiel des neuformierten FC Gütersloh verlor die Mannschaft vor 5.000 Zuschauern im Heidewaldstadion nur knapp mit 0:2.


Fritz Grösche trainierte als erster Coach den jungen Verein in der neu gegründeten Amateur-Oberliga.

Dennoch bat der neue Coach, Fritz Grösche, in der Öffentlichkeit um Geduld. „Die Amateuroberliga wird kein Honigschlecken. Voraussetzung für einen Erfolg ist die konsequente Zusammenarbeit aller Seiten. (...) Bitte haben Sie etwas Geduld, dann werden Sie auch sonntags wieder Freude auf dem Fußballplatz haben“, dokumentierte die Neue Westfälische. Die ersten zehn Jahre des FC Gütersloh waren geprägt durch die Westfalenmeisterschaft 1984, aber auch der „Netto-Liga-Skandal“ um die Ex-Profis Volker Graul und Roland Peitsch in der Saison 1983/84 zählte zu den spektakulärsten Ereignissen. Die wirtschaftliche Entwicklung entsprach nicht den zunächst geäußerten Erwartungen. Beim Empfang zum zehnjährigen Bestehen des Vereins verkniff sich Rainer Schils nicht den Hinweis, dass nicht alle bei der Fusion gehegten Träume Wirklichkeit wurden. „Die Hoffnung, dass wirtschaftliche Unterstützung, auf die wir angewiesen sind, leichter zu bekommen sei, wenn nur noch ein Verein da ist, hat sich nicht erfüllt“, so der Jurist in einem Artikel zum Geburtstagsempfang des FCG in der NW. In der ersten FC-Dekade ging es also schon recht turbulent zu. Licht und Schatten wechselten sich ab, die Nerven der Gütersloher Fans wurden arg strapaziert. Der neue Vereine etablierte sich recht schnell in der Amateur-Oberliga als Spitzenverein. Bereits 1982 wurde die Mannschaft Vizemeister hinter dem TuS Schloß. Bei der deutschen Amateurmeisterschaft scheiterte der FCG erst im Viertelfinale. Ein Jahr später bekam der Verein Ärger mit dem Fußball- und Leichtathletikverein Westfalen. Eine schwere Zeit für alle Beteiligten. Mit Unterstützung von Miele holte der Gütersloher Club die ehemaligen Bielefelder Profis Graul und Peitsch in den Heidewald. Beide verdienten als vermeintliche Amateure statutenwidrige Gehälter – in der Presse galt Gütersloh in dieser Zeit als „Schlaraffenland der Fußballamateure“ ...

In erster Instanz wurde der Club in die Verbandsliga strafversetzt, die Gerichtsentscheidung wurde schließlich in einen 25 Punkte-Abzug und dann in eine Geldstrafe umgewandelt. Sportlich gingen die Fußballer aber ihren Weg und ließen sich trotz des „Netto-Liga-Skandals“ nicht aus dem Konzept bringen. Eine starke Leistung – der FCG wurde in der Saison 1983/84 im Schlussspurt Westfalenmeister. Zum Abschluss der Oberliga-Meis­terschaftsserie, die für den FC Gütersloh von außerordentlichen Umständen geprägt war, gab der Verein in einer Presseerklärung eine Erklärung ab: „Nach beschwerlichem Weg durch die Instanzen freut sich der FC-Vorstand vor allem darüber, dass der in erster Instanz (...) verfügte Zwangsabstieg in die Verbandsliga nicht aufrecht erhalten wurde. Eine solche Strafversetzung hätte, zumal für einen so jungen Verein, unabsehbare Folgen für die gesamte Vereinsstruktur haben können. Außerdem wird außerordentlich begrüßt, dass das Frankfurter Urteil dem DFB einen Anstoß ge­geben hat, die Amateurbestimmungen im Interesse von Klarheit und Wahrheit neu zu fassen. Der FCG ist bereit, an der Erfüllung dieser Aufgaben mitzuwirken.“ Das sportlich versöhnliche Ende dieser denkwürdigen Saison fasste Torhüter und Mannschaftskapitän Uli Granzow vor dem „Endspiel“ gegen den VfB Waltrop zusammen: „Ich würde die Meisterschaft klar höher einordnen, als den Einzug mit DJK vor zehn Jahren in die zweite Liga, der durch die Neueinführung dieser Klasse zustande kam.“ Der FC Gütersloh gewann – das sportliche Meisterstück gelang. In der größten Stunde des Vereins war der bittere Gang durch die Instanzen der DFB-Gerichtsbarkeit schnell pulverisiert. In der 87. Minute erleichterte Martin Kollenberg eine ganze Stadt. Nach einem Graul-Eckstoß war der „Lange“ von rechts zur Stelle, sein Kopfball setzte auf dem Boden auf, sprang neben dem Waltroper Towart an die Lattenunterkante und von dort ins Tor ... Im Heidewald wurde gejubelt, und im Anschluss gingen die Feierlichkeiten auf Güterslohs Stadtfest, dem „City Treff“ weiter.


FCG-Spieler Norbert Siefke, ein Rückhalt des neuen Fusions-Clubs FC Gütersloh.

Die Serie basiert auf Unterlagen, Zeitungsausschnitten und Fotos, die uns das Stadtarchiv freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Weitere Fotos in diesem Teil sind von Fritz Grösche aus dem Archiv der Glocke beigetragen worden.



Lesen Sie diesen Artikel im PDF

Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zu diesem Beitrag:
Ihr Name*:
EMail:
Sicherheitsabfrage
Kommentar*:
(*) = Zum Absenden benötigte Informationen.
Kommentare zu diesem Beitrag:
26.02.2010 - Janine Keller
Das ist doch unglaublich. Die waren mal fast in der Bundesliga. Und jetzt? Peinlich, was da abgeht. Ich glaube, da steckt kein Sponsor mehr nen müden Euro in diese Mannschaft ...

28.02.2010 - Szene GT
Glückwunsch zum gelungenen Serienstart! Bttte weiterhin mit viel Hintergrundinfos und Bildern fortsetzen.

Schade, dass in einer Stadt wie Gütersloh das Fanpotential nicht durch die Wirtschaft unterstützt wird. Sollten Ostrowski & seine Schergen tatsächlich den klammen Armeniern aus BI Geld geben, gehören sie aus der Stadt gejagt!!!

01.03.2010 - ullic
hier wurde ja mal richtig gespielt. Das wusste ich ja gar nicht. Bin auf die nächste Folge gespannt.

02.03.2010 - petragt
Die hätten mit Verl und Wiedenbrück fusionieren sollen. Ein FC Ostwestfalen mit einem Stadion in GT.

04.03.2010 - piet
Super. Geiles Thema. Weiter so. Endlich mal ne Serie, die mich interessiert.

05.03.2010 - Matthew
danke für dieses thema, wird zeit das es wieder aufwärts geht mit dem fc.

06.03.2010 - Maik Kahmen
Alle Namen auf dem Foto:

Oben von l.n.r.:
Trainer Heribert Bruchhagen,Obmann Norbert Aulenkamp,Reinhard Ellebracht,Martin Kollenberg,Josef Fuhsy,
Hans-Georg "Katsche" Brinkrolf,Frank Kirschbaum,Wolfgang Grübel,Thomas Körber,Jürgen Heddinghaus,Eckhard Knufinke,Ulrich Granzow,
Ulrich Thom,Jürgen Barth und Betreuer Paul Wollweber.

Unten von l.n.r.:
Masseur Siegfried Schnittka,Matthias Riepert,Michael Kohlmeyer,Eckhard Köhl,Thomas Schmidtke,Roland Peitsch,
Werner Otto,Guido Ikels und Francesco "Paco" Castillo.

Ich weiß es deshalb jetzt noch,das meine Zeit als helfende Hand von
Paul Wollweber war,der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre am 19. Januar.

Interssiert vielleicht niemand ,aber ich wollte das mit den Namen und Paul Wollweber nur noch hinzufügen.

Mfg.
Maik Kahmen

10.03.2010 - Hans
Wetten, dass die wieder nach oben kommen. Der neue Vorstand wirkt seriös.

10.03.2010 - Piet
Die Serie von Marcus Korsmeyer gefällt mir.

02.04.2010 - Norbert Siefke
Hallo Maik,

deine Anmerkung zu P.Wollweber finde ich schon wichtig,denn gerade Paul war die gute Seele der Mannschaft.
Er hat uns oft mit seinem unvergesslichen Humor und Sprüchen
nach Niederlagen wieder aufgebaut.

Grüße aus dem Wittgensteiner Land


11.04.2010 - Norbert Siefke
Ich frage mich warum mit keinem Wort H.Steinkamp erwähnt wird.
Er war es der durch seine finanzielle Unterstützung den Grundstein für den sportlichen Erfolg legte.
Nicht Miele!!!,sondern H.Steinkamp
holte Spieler wie V.Graul R.Peitsch und G.Paus und bezahlte
sie auch.