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Wie aus einem schlafenden Dornröschen Güterslohs schönstes Dreieck wurde

Eine Idee und ihre Kinder

Text: Birgit Compin
Foto: Detlef Güthenke

Am Anfang stand die Idee. Jetzt feiert diese Idee ihr 20-jähriges Bestehen: 20 Jahre Woche der kleinen Künste und zehn Jahre Freitag18 sind die diesjährigen musikalischen Geburtstagskinder, die diese Idee hervorgebracht hat. Noch dazu hat sie einen innerstädtischen Platz ins Rampenlicht gerückt, der bis dahin jahrzehntelang nur so vor sich hin träumte. Das Gütersloher Dornröschen war geweckt. Seitdem dreht sich in den Sommermonaten vieles um den dreieckigen Platz in Güterslohs Mitte. Am 3. Mai geht es wieder los. Genau der richtige Zeitpunkt also, um noch einmal zurückzublicken.
Dafür hat der Verein Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz jetzt ein Magazin herausgegeben, das in Zusammenarbeit mit dem Flöttmann Verlag entstand. Kostprobe gefällig? Ein Auszug aus dem Inhalt ...

Damals, bevor alles anfing, standen die Rhododendronbüsche auf dem Dreiecksplatz noch meterhoch. Doch schon bald sollte das Geschichte sein. Das, was folgte auch. Im Vorfeld zur Jubiläumsfeier „175 Jahre Gütersloh“ im Jahr 2000 hatte die Stadtverwaltung interessierte Bürger zu verschiedenen Ideenbörsen eingeladen. Ihr Zweck: gemeinsam ein vielfältiges innerstädtisches Festprogramm auf die Beine zu stellen. Unter den Geladenen war auch Volker Wilmking, Inhaber der ehemaligen MusiKiste am Dreiecksplatz. „Wenn die Stadt die Rhododendronbüsche auf dem Platz roden und die Fläche mit Rasen versehen würde, können wir dort sehr gut Kultur veranstalten“, so seine Idee. Und die zündete. Passend zum Jubiläum wuchs aus dem kleinen Satz ein Platz, wie geschaffen für eine außergewöhnliche Veranstaltungsreihe, die heute zu den wohl renommiertesten der gesamten Region gehört: Die „Woche der kleinen Künste“ war geboren. Zu Beginn dieses Jahres verstarb der Mann mit der zündenden Idee nach langer, schwerer Krankheit, doch damals hatte er noch viele Jahre vor sich, um seine Idee „wachsen und gedeihen“ zu sehen.

Das Dreigestirn
Zur Umsetzung seiner Idee erhielt Volker Wilmking also von der Stadt eine Art Anschubfinanzierung von 4.000 Euro. Der Dreiecksplatz wurde hergerichtet und der Initiator organisierte dort im Jubiläumsjahr die erste „Woche der kleinen Künste“, kurz WdkK genannt – und heute gerne zur „Woche“ verkürzt. Und dieser Name war Programm. Nicht die vielköpfigen Bands hatte der Initiator im Sinn, sondern akustische Perlen ausgezeichneter Musiker. Die unterschiedlichsten Musikgenre standen im Fokus, fein gemixt mit Auftritten von Comedians und weiterer Kleinkünstler. Es war ein Konzept, das Wilmking nicht alleine stemmen musste. Begeistert von der Idee wurden Hans-Werner Kolbe und Heiner Wichelmann bald darauf zu seinen Wegbegleitern. Schnell fanden die Drei heraus, wie gut sie zusammen funktionierten und tickten. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie gemeinsam das Programm planten. Das Dreigestirn der „Woche der kleinen Künste“ war geboren.

Platz für viele Ideen
Doch umsonst ist eine kostenfreie Musikveranstaltung nicht machbar. Zur Finanzierung suchte und fand der Verein Sponsoren  – und zwar so erfolgreich, dass bald schon teurere, überregionale Bands auf dem Programmzettel standen. Auch die Mitgliederakquise schritt zügig voran. Pro Jahr kamen durchschnittlich 100 neue Vereinsmitglieder hinzu, die bis heute ebenfalls mit ihrem kleinen aber feinen Jahresbeitrag der Kulturgemeinschaft zum Wachsen verhelfen.
Der Verein gedieh also prächtig und die Ideen vervielfältigten sich: immer mehr Projekte schossen aus dem Boden des Platzes. Zur LangeNachtderKunst wurde die Kulturgemeinschaft schon früh aktiv und schafft bis heute gemeinsam mit Künstlern in jedem Jahr unvergessliche Momente. Zweimal installierte das Dreigestirn Filmabende und zur jährlichen Open-Air-Milonga wandelt sich der Platz in einen vibrierenden Tangosaal. Der Dreiecksball in der Stadthalle schloss das Vereinsjahr offiziell ab. Mehrmals organisierte der Verein eine Veranstaltung zum 1. Mai, die den offiziellen Startschuss ins Jahr darstellen sollte. Doch nur so lange, bis eine weitere, bis heute bedeutende Veranstaltung, diese Stellung übernahm: 2008 wurde der Dreiecksplatz erstmalig Austragungsort von Freitag18.
Mittlerweile zieht die „zweite Generation“ die Strippen auf dem Platz. Nachdem sich das Triumvirat 2013 von der Bühne zurückzog, übernahm Hans-Hermann Strandt den Vorsitz des Vereins. Zum aktuellen Vorstand gehören außerdem Wendy Godt, Reinhard Beckord und Andreas Schattschneider.

Sommerfestival in der Stadt
Sie ist ganz eindeutig das Sahnehäubchen der Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz: die „Woche der kleinen Künste“. An fünf Tagen im Sommer treffen sich auf einem dreieckig angelegten Platz Musikliebhaber unterschiedlichster Stilarten, um gemeinsam ein Fest zu feiern. Ein Festival, das mit seiner Vielfalt, Qualität und Originalität für so manches Gänsehautfeeling sorgt. International bekannte Künstler wechseln sich ab mit großartigen Nachwuchsmusikern. Hier treffen außergewöhnliche Klangerlebnisse der Weltmusik mal auf mitreißenden Indie-Pop dann wieder auf rauchigen Soul oder schmutzigen Funk. Erdiger Blues wechselt sich ab mit quirligen Jazz-Perlen oder dunklem Psychedelic-Rock.

Puzzleteile der Woche
„Es sind viele Puzzleteile, aus denen sich unser jährlich wechselndes Programm zusammensetzen lässt“, verrät Hans-Hermann Strandt. Da ist natürlich die jährliche Trüffelsuche nach der besten Musik von allen. Immer wieder suchen die Macher nach den Perlen, die jeden einzelnen Zuschauer in ihren Bann ziehen sollen. Und das gelingt ihnen sehr gut. Hans-Hermann Strandt, Iris Stallein, Benni Bobe, Reinhard Beckord und Uli Twelker sind für die Auswahl verantwortlich. Und das schreit quasi nach Vielfalt, ist doch der Vorsitzende musikalisch sehr breit aufgestellt und dem zweiten Vorsitzenden Reinhard Beckord liegen R&B, Funk und Soul am Herzen. Hinzu kommen Blues-Fan Benni Bobe, A-Kapella-Spezialistin Iris Stallein und Uli Twelker, Musikjournalist und exzellenter Kenner der britischen Musikszene. Zusätzlich gibt es Tipps von Besuchern oder Sponsoren, Bands und Musikagenturen.
Doch zu dem Puzzle selbst gehört noch so viel mehr. Eines der wichtigsten Teile ist natürlich der Platz an sich: Klein und beschaulich wie er nun mal ist, scheint er wie gemalt für ein Sommerfestival in familiärer Atmosphäre. Bis an den Bühnenrand sitzen dann Abend für Abend die Menschen auf Bänken und auf dem Rasen und genießen diese außergewöhnliche Nähe zu den Künstlern direkt vor ihnen. Auch hinter der Bühne scheinen alle eine große Familie zu sein – und damit sind wir auch bei den nächsten Puzzleteilchen der „Woche“: Jeder Künstler oder Gruppe wird mit einem eigens gebackenen Kuchen empfangen, der nicht selten eine freudige Erwähnung auf den Homepages der Musiker erhält. Gästebetreuer sind hier nicht einfach Gästebetreuer, sondern ausgewählte Künstlerpaten, die sich jeweils einen Tag lang um ihre Schützlinge kümmern. Hier wird also eine Gastfreundschaft zelebriert, die sich mit dem Satz „Willkommen bei Freunden!“ zusammenfassen lässt.

After Work-Happening
„Friday On My Mind“ – immer dann, wenn dieser Titel der „Easybeats“ von 1966 auf dem Dreiecksplatz erklingt, beginnt „Freitag18“. Was dann folgt ist eine der beliebtesten privatinitiierten Veranstaltungen Güterslohs. Es begann mit der Umgestaltung des Platzes im Jahr 2008. Damals wollten die Macher der Kulturgemeinschaft den neuen zentralen Sockel mit einer wöchentlichen Veranstaltungsreihe bespielen – und ihr Name war schnell gefunden: Freitag18. Das Konzept lag auf der Hand: Jeden Freitag um 18 Uhr sollte hier eine Stunde lang eine Art „After Work“-Happening den Start ins Wochenende markieren. Ein Team, das sich ausschließlich mit dem Programm und der Organisation befasste, war schnell gefunden. Rekrutiert aus den Mitgliedern des Vereins, sind viele von ihnen auch jetzt mit dabei.

Alles immer wieder neu
Das Besondere an Freitag18? Das ist das breitaufgestellte Angebot regionaler Musiker und Kleinkünstler, die hier die Möglichkeit haben, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Dass jeder Freitag einzigartig wird, dafür sorgt natürlich auch das Konzept der Woche, das möglichst niemals zwei identische Genres aufeinander folgen lässt. „Seit Beginn versuchen wir, einen durchgängigen Mix zusammenzustellen“, erklären Jay Minor, Frank Stiller und Alfried Gutsche. Gleichzeitig entwickeln sie auch immer wieder neue Formate, so wie Saite an Saite, bei dem Musiker Jay Minor mit zwei jungen Gitarristen auftritt. Auch der „SmallStoneRock“ gehört dazu, bei dem gleich zwei Musiker oder Bands mit jeweils 30 Minuten auftreten. Seit zehn Jahren geht das nun schon so.

200 Freitage und kein Ende
Um Freitag18 Woche für Woche so bunt und vielfältig zu gestalten, braucht es viele Macher. Neben dem Programmteam ist da das Kernteam mit Ute Freischen, Detlef Schimmel, Brigitte und Jochen Venker, Klemens Remfort und Holger Rinne. Dann gibt es ein wöchentliches Auf- und Abbauteam, angereichert mit Technikern und all denen, ohne die kein Ton über den Platz gesendet würde. Doch bevor sie alle mit ihren Arbeiten am Freitagnachmittag  beginnen, schauen sie auf’s Wetter. Sind Regen oder Sturm wahrscheinlich, wird Freitag18 abgesagt. Doch meist ist der Wettergott gnädig – und so startet das Aufbauteam ab 16.30 Uhr durch: Der Stein bekommt vielleicht noch eine kleine Nebenbühne zur Erweiterung, die Bänke davor werden aufgestellt, Stromleitungen werden verlegt und die Techniker sorgen für die Verkabelung der Instrumente. Sind die Musiker eingetroffen, beginnt um 17 Uhr der Soundcheck. Und genau so oder ähnlich wird es wohl auch im Jubiläumsjahr zugehen auf dem Platz. Knapp 200 Veranstaltungen hat der Verein in den vergangenen zehn Jahren vor, auf und hinter dem Stein gerockt – jetzt werden die nächsten folgen. ˜

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